Jens Korte, der künftige Notenbank-Chef wurde nominiert. Wie hat die Wall Street auf diese lang ersehnte Nachricht reagiert?
Die Frage, wer denn nun der Nachfolger von Jerome Powell als Notenbank-Chef wird, hat die Akteure hier an der Wall Street seit Monaten stark beschäftigt. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Kevin Warsh heisst der Mann – und er ist für die Wall Street kein Unbekannter. Er war Gouverneur der Notenbank, damals unter George W. Bush. Während der Finanzkrise war er sozusagen das Bindeglied zwischen der Wall Street und der Notenbank. Grundsätzlich hat die Wall Street positiv auf seine Nomination reagiert. Der US-Dollar hat sich stark gezeigt – auf der Gegenseite gab es massive Rückgänge für Gold und vor allem für Silber, sogar im zweistelligen Bereich. Die Wall Street scheint somit nicht davon auszugehen, dass es in den nächsten Monaten massive Zinssenkungen in den USA geben wird.
Was bedeutet die Wahl von Kevin Warsh für die Unabhängigkeit der US-Notenbank?
Die Unabhängigkeit der Fed ist ein grosses Thema – mit Blick darauf hätte es wohl schlimmer, aber auch besser ausgehen können mit einer Nomination. Kevin Warsh hatte sich in der Vergangenheit recht stark für Inflationsbekämpfung, sprich höhere Zinsen, ausgesprochen. Zuletzt deutete er zwar eher an, dass er sehr wohl dafür ist, die Zinsen stärker zu senken. Letztlich geht es nicht nur um Kevin Warsh, sondern auch um Jerome Powell. Seine Amtszeit endet zwar Mitte Mai, doch er kann als Gouverneur der Notenbank weiterwirken, und zwar bis Ende Dezember 2028. Somit ist noch offen: Wird Jerome Powell Mitte Mai einen Schlussstrich ziehen oder wird er einen Posten als einer der sieben Gouverneure der Notenbank bekleiden?
Wir befinden uns mitten in der Berichtssaison. Wie fällt das Zwischenfazit aus – vor allem mit Blick auf die «Big Tech»-Unternehmen?
Als erstes Fazit können wir festhalten: Die Investitionen in KI gehen ungebremst weiter. Bei der Facebook-Mutter Meta beispielsweise wird spekuliert, dass in diesem Jahr bis zu 135 Mrd. US-Dollar in Datencenter und damit in den Bereich KI investiert werden. Interessanterweise reagierte die Wall Street trotz dieser beachtlichen Ausgaben positiv. Ganz anders bei Microsoft: Die höheren geplanten Investitionsausgaben wurden an der Wall Street negativ aufgenommen, die Aktie verlor nach den Quartalzahlen an einem Handelstag rund 350 Mrd. US-Dollar an Marktwert. Solch starke Bewegungen sind auch immer ein gewisser Ausdruck von Nervosität.
Fazit
Mit der Wahl von Kevin Warsh geht Donald Trump für einmal den Weg des geringsten Widerstands und löst wohl keine Kontroverse aus. Das stärkt das Vertrauen in die US-Geldpolitik und in den US-Dollar.