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Nachhaltigkeit bei Immobilien

Datum: 22.07.2020 

Nachhaltiges Anlegen wird zur Norm und erreicht den Immobilienmarkt. Doch wo setzt ESG (Environment, Social and Governance) bei Immobilien an? Was wird in diesem Segment punkto ESG bereits unternommen und wie nachhaltig sind Anlagen in «Indirekte Immobilien Schweiz»?

Verschiedene Anbieter berichten wahrnehmbar, transparent und umfassend zu Nachhaltigkeitsthemen. Aber was macht die schweigende Mehrheit der Fondsanbieter und Gesellschaften ohne spezifische Berichterstattung? Insgesamt herrscht Unsicherheit über die Herangehensweise, wie eine ESG-Berichterstattung zu erfolgen hat. Auf gemeinsame Kriterien und eine einheitliche Sprache konnte man sich bisher nicht einigen. Allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass sich ESG-Ziele nicht einfach mit der Teilnahme an einem globalen Standard wie GRESB oder der Berichterstattung nach GRI ergeben. Es bedingt vielmehr einer intensiven Auseinandersetzung mit den eigenen Werten und Ansprüchen an ESG-Kriterien.

 

Sind die entsprechenden Kriterien definiert, folgen manche Anbieter dem internationalen Ruf und erklären GRESB auch für den Schweizer Markt als die passende ESG-Benchmark. Andere gehen konsequent einen individuellen Weg.

 

Bestandesaufnahme

Aufgrund der Erkenntnis, dass die ESG-Berichterstattung heute nicht einheitlich ist, braucht es eine Bestandesaufnahme. Hierzu wurde ein Fragebogen erstellt, welcher Daten zu ESG-Aspekten erfasst. Diese werden durch individuelle Interviews mit den einzelnen Anbietern zusammengetragen und ausgewertet. Aus den Antworten lässt sich ein gutes Bild über das gesamte Anlageuniversum gewinnen. Dieses Bild bestätigt, dass heute im Bereich der Nachhaltigkeit bei Immobilien bereits viel mehr unternommen wird, als darüber berichtet und dementsprechend wahrgenommen wird.

Fast ausnahmslos lässt sich ein starkes Interesse am Dialog zu ESG-Themen feststellen. Dieser Dialog ermöglicht ein besseres kulturelles Verständnis der Anbieter. Eindeutig ist der Ruf nach vergleichbaren (Verbrauchs-)Kennzahlen, die mit vertretbarem Aufwand erhoben werden können. Dieser Prozess ist bei grossen Anbietern, sowie jenen in der Romandie bereits weit fortgeschritten. Oft geben monetäre Anreize den Ausschlag dafür. Denn wo beispielsweise Energie-Verbrauchszahlen optimiert werden, werden gleichzeitig sowohl ökonomische als auch ökologische Ziele bedient. Da Ziele aus dem Bereich Umwelt (Environment) stark aus solchen Verbrauchszahlen bestehen, ist die Messbarkeit gut gegeben. Anders verhält es sich bei gesellschaftlichen Aspekten (Social) und der Unternehmensführung (Governance). In diesen Bereichen sind die Ziele schwieriger zu definieren. Fragen bezüglich guter Geschäftsführung, einer Frauenquote oder der Rolle des Gesetzgebers enden regelmässig in philosophischen Diskussionen. Dagegen scheint in diesem Bereich das Verhältnis zu den Mietern als Nachhaltigkeitskriterium geklärt zu sein. Im Rahmen der von den Investoren definierten Renditeziele, wird ein Angebot geschaffen, welches wertbeständig ist und den aktuellen wie auch zukünftigen Mieterbedürfnissen gerecht wird. Die gegenwärtige Coronakrise zeigt beispielhaft auf, dass dieses Ziel nur partnerschaftlich und in einem intensiven Austausch erreicht werden kann.

 

Vieles wird gemacht, wenig wird berichtet

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ein Grossteil der Immobilienanbieter bereits sehr viel in den Aspekten Umwelt, Soziales und Unternehmensführung unternehmen. Im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung tun sich einige Anbieter jedoch noch schwer. Genügte vor wenigen Jahren die Aussage, dass ESG-Aspekte für das Unternehmen wichtig sind, werden heute je länger je mehr sichtbare Resultate, wie zum Beispiel die Publikation des CO2-Absenkungspfads, gefordert. An einer ESG-Zielsetzung passend zur Kultur und zum Geschäftsmodell kommt bald kein Anbieter mehr vorbei. Wird das Erreichte stringent und regelmässig kommuniziert, ist es für Investoren in indirekte Immobilienanlagen Schweiz zukünftig einfacher zu erkennen, wie nachhaltig ihre Investitionen sind. Den Anbietern ist geraten, sich auf eine übersichtliche Anzahl an Kennzahlen für die einzelnen ESG-Segmente zu einigen. Eine Vereinheitlichung dieser Beurteilungskriterien erscheint in diesem Zusammenhang sinnvoll.

 

Gemeinsam wachsen.