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USA: Kongresswahlen und Inflation

Datum: 15.11.2022 

Jens Korte, was bedeutet das Ergebnis der Kongresswahlen für die Börse und für die US-Wirtschaft?

Wichtig ist, dass die Kongresswahlen abgeschlossen sind. Das alleine bringt schon Stabilität in die Märkte. Historisch ist die Börse in den USA nach den Midterms fast immer gestiegen, egal wer gewonnen hat. Doch die Börse hat meist etwas positiver reagiert, wenn die regierende Partei die Mehrheit im Kongress verloren hat. Im Senat haben die Demokraten nach wie vor eine hauchdünne Mehrheit. Im Repräsentantenhaus sind noch nicht alle Stimmen ausgezählt, aber es sieht nach einer ebenso dünnen Mehrheit für die Republikaner aus.

In der Wirtschaft trifft man hingegen oft auf die Haltung, dass ein gespaltener Kongress weniger neue Gesetze lancieren und Veränderungen herbeiführen kann. Das sieht die Wirtschaft gerne. Ob es nun das Beste für das Land ist, das steht auf einem anderen Blatt.


Bestimmendes Thema an den Finanzmärkten bleibt die Inflation. In den USA hat sich die Situation etwas entspannt, die Inflation ist leicht zurückgegangen. Haben wir den Zenit nun überschritten?

Es scheint als hätten wir in Amerika die Spitze der Inflation hinter uns. Zur Erinnerung: Im Frühjahr hatten wir eine Inflation von rund neun Prozent, diese hat sich dann in den letzten Monaten hartnäckig über acht Prozent gehalten und jetzt im Oktober hatten wir zum ersten Mal seit acht Monaten eine Inflation von unter acht Prozent.

Das heisst aber natürlich nicht, dass die Preise jetzt wieder sinken. Das Thema des Lohndrucks bleibt bestehen und die Unternehmen haben ihre Preise teilweise massiv nach oben korrigiert. Es wird also noch eine Weile dauern, bis wir wieder eine Inflation auf einem vernünftigen Niveau sehen werden. Im Euroraum zum Beispiel haben wir nach wie vor eine Teuerung im zweistelligen Bereich.


Heisst dies, dass sich die aggressiven Zinsschritte der US Notenbank bewährt haben?

Ob die Zinserhöhungen zu dieser Inflationswende geführt haben, oder ob die Wirtschaft sich allgemein abkühlt, das kann man nicht endgültig sagen. Was aber klar ist, dass diese aggressiven Zinserhöhungen der US-Notenbank in der Wirtschaft Spuren hinterlassen haben. Zum Beispiel im amerikanischen Immobilienmarkt, wie auch im Automobilbereich. Denn sowohl die Häuser wie auch die Autos werden in den USA zu einem grossen Teil fremdfinanziert. Und mit den hohen Zinsen steigen auch die Finanzierungskosten, was direkt auf die Nachfrage drückt. Und damit kühlt sich der Markt ab, was nicht zuletzt auch das Ziel der Notenbank war. Die Frage ist nun, zu welchem Preis wir diese Abkühlung bekommen. Also ob die Wirtschaft in eine tiefe und längerfristige Rezession fällt.


Was denken Sie, wird das der Fall sein?

Ich denke eine Rezession ist sehr wahrscheinlich, in Europa ohnehin, aber vielleicht auch in den USA. Die Frage ist wie tief und lang diese sein wird. Das Wissen wir erst, wenn wir sie hinter uns haben.




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