2025 war ein aussergewöhnliches Jahr. Nebst Trump, Geopolitik und Zinssenkungen war KI der grosse Treiber an den Finanzmärkten. Sämtliche Anlageklassen erzielten eine positive Wertentwicklung – nicht zu investieren war der einzige Fehler, den man machen konnte. Bei USD-Anlagen führte die Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber US-Dollar zu Währungsverlusten für Schweizer Anlegerinnen und Anleger.
Daniel Lüchinger, CIO der Graubündner Kantonalbank, diskutiert im Interview mit Tobias Engeli, Senior Investment Analyst, und Nerino Nobs, Senior Asset Manager, die Chancen und Risiken im Anlagejahr 2026.
«KI und Klima, Wandelanleihen sowie Schwellenländer im Fokus.»
Das globale Wirtschaftsumfeld bleibt robust, viele Konjunkturdaten überraschen positiv. Die Vorlaufindikatoren signalisieren ein moderates, anhaltendes Wachstum – trotz Bremseffekt durch die US-Zölle. Zusätzlich unterstützend wirken die steigende globale Liquidität, die Fiskalpolitik in Europa und sinkende Leitzinsen in den USA. Doch nicht nur Wachstum, auch strukturelle Transformation ist 2026 ein Thema an den Finanzmärkten.
Wir erwarten, dass die gewaltigen KI-Investitionen erste Früchte tragen. Der enorme Energiebedarf dieser Technologie bietet für Anlegerinnen und Anleger sowohl Chancen als auch Risiken. Führende Technologieunternehmen setzen KI ein, um Klimaprobleme anzugehen: Die KI-gestützten Produkte von Google optimieren die Wetterprognosen für erneuerbare Energien sowie Klimavorhersagen, während die GPU-Technologie von Nvidia die Energieeffizienz von Rechenzentren verbessert. Damit führt die Schnittstelle zwischen KI und Klimaschutz zu einer überzeugenden Anlagethese: Unternehmen, die mittels KI helfen reale Ressourcen einzusparen, gehören zu den Gewinnern von Morgen. Sie sind nämlich in der Lage, Wertschöpfung zu generieren und gleichzeitig die dringendsten Herausforderungen unseres Planeten anzugehen.
Eine weitere interessante Anlagemöglichkeit im aktuellen Tiefzinsumfeld sind Wandelanleihen. Wir sind überzeugt, dass Wandelanleihen nicht nur die Kombination von Obligationen und Aktien sind, sondern das Beste aus den beiden Welten vereinen. 2025 haben Wandelanleihen einerseits von der starken Performance der zugrunde liegenden Aktien profitiert, andererseits hat die Anleihenkomponente ihre Schutzfunktion gut erfüllt. Insbesondere bei zunehmender Unsicherheit an den Finanzmärkten ist die stabilisierende Wirkung sowohl der Obligationen- als auch der Optionskomponente wertvoll.
Wir sehen 2026 mehr Chancen bei Aktien als bei Obligationen. Wichtig ist dabei, nicht nur auf die «grossen Player» und nicht nur auf Industrieländer wie die USA zu setzen. Spannende Anlagemöglichkeiten sehen wir zum Beispiel in den Schwellenländern. Hier treffen eine günstige Bewertung und gute Wachstumsaussichten auf einen besseren Performancetrend – und dies bei im Vergleich zu beispielsweise Investitionen in den USA noch immer tiefer Allokation der Investoren. Damit bleibt Luft für weitere Anstiege.
Wo es Chancen gibt, bestehen auch Risiken. Die Unsicherheiten an den Finanzmärkten bleiben erhöht. Gerade im Bereich Geopolitik sehen wir eine Verhärtung der Fronten. Auch die Erwartungen an das Gewinnwachstum der Unternehmen sind ambitioniert – im Speziellen bei den «Big Tech»-Unternehmen aus den USA. Vorausschauend sehen wir kleinere Korrekturen als gute Zukaufsmöglichkeiten bei qualitativ guten Aktien.