Nach zwei Wochen Krieg ist noch keine Lösung in Sicht. Zwar liegen die Rohölpreise unter den Höchstständen der vergangenen Woche, sind jedoch weiterhin deutlich höher als vor Kriegsausbruch. Die Aktienmärkte zeigen sich bislang erstaunlich robust. Ein Grund dafür ist, dass das Wirtschaftswachstum heute weniger stark vom Ölpreis abhängt als in den 1970er Jahren – die USA benötigen beispielsweise nur noch etwa 30 % der Ölmenge, die damals für die gleiche Wirtschaftsleistung erforderlich war. Eine globale Rezession aufgrund der gestiegenen Ölpreise erscheint daher weniger wahrscheinlich. Allerdings gibt es erhebliche regionale Unterschiede: Während asiatische Aktienmärkte seit Kriegsausbruch stark an Wert verloren haben, sind die Verluste in den USA und China vergleichsweise moderat.
Nichtsdestotrotz: Sollte die Strasse von Hormus länger geschlossen bleiben, wird der Druck auf die Preise weiter steigen. Die Treiber der Inflation sind dabei vielfältig. Neben den Energiepreisen sind auch die Kosten für Düngemittel oder Kühlflüssigkeiten, die für die Halbleiterproduktion benötigt werden, stark vom Transport durch die Meerenge abhängig. In den USA kommen zudem die inflationsfördernden Auswirkungen der US-Zölle hinzu.