Die erneute Eskalation zwischen den USA und Iran hat den Ölpreis zum Wochenbeginn deutlich ansteigen lassen. Brent-Rohöl überschritt zeitweise wieder die Marke von 90 US-Dollar je Barrel. An den asiatischen Aktienmärkten löste dies bislang keinen breiten Ausverkauf aus. Die Anleger betrachten den Konflikt weiterhin primär als Risiko für die Energieversorgung und die Inflation – und noch nicht als systemischen Schock für die Weltwirtschaft.
Zusätzlichen Druck erzeugen jedoch die eingeschränkten Raffineriekapazitäten in Russland. Infolge der Ausfälle kann Russland weniger Rohöl zu Diesel, Benzin und anderen Treibstoffen verarbeiten - die russischen Diesel- und Gasölexporte sind im Juli entsprechend deutlich gesunken. Damit verknappt sich nicht zwingend das globale Rohölangebot, wohl aber das Angebot an raffinierten Produkten. Die Margen für Raffinerieprodukte sind deshalb zuletzt auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegen.
Selbst wenn sich der Rohölpreis stabilisiert, können Diesel- und Benzinpreise erhöht bleiben. Höhere Treibstoff-, Transport- und Produktionskosten könnten den Rückgang der Inflation verzögern und den Spielraum der Zentralbanken für eine lockerere Geldpolitik einschränken.