Fed-Zinspfad nach US-Daten wieder flacher.
Die Erwartungen an die US-Geldpolitik haben sich in dieser Woche verschoben. Noch vor wenigen Tagen galt eine Zinserhöhung der US-Notenbank im September als durchaus realistisch. Die jüngsten Inflationsdaten sprechen unserer Meinung nach für eine abwartende Haltung der Fed. Wir rechnen damit, dass die Fed ihren Leitzins unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent belässt. Das ist ein gutes Signal für die Börsen. Tiefere Zinserwartungen sind insbesondere für hoch bewertete Wachstums- und Technologiewerte positiv.
Für Entspannung sorgten vor allem die Inflationszahlen. Die Konsumentenpreise stiegen im Juli gegenüber dem Vormonat lediglich um 0,1 Prozent. Im Jahresvergleich ging die Teuerung von 3,5 auf 3,4 Prozent zurück. Noch deutlicher fiel die Entspannung bei der Kerninflation aus, bei der Energie- und Nahrungsmittelpreise ausgeklammert werden. Sie sank von 2,6 auf 2,5 Prozent. Auch die am Donnerstag veröffentlichten Produzentenpreise fielen günstiger aus als erwartet. Besonders die Preise für Güter gingen zurück. Im Jahresvergleich bleibt der Preisdruck mit 4,7 Prozent allerdings hoch. Von einer vollständigen Entwarnung bei der Inflation kann jedoch nicht gesprochen werden. Die aktuellen Werte liegen weiterhin über dem anvisierten Inflationsziel der US-Notenbank.
Gleichzeitig liefert der Arbeitsmarkt der Fed wenig Anlass, die Geldpolitik weiter zu straffen. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche leicht auf 209'000. Bereits der Arbeitsmarktbericht für Juli hatte mit einem Stellenabbau und Abwärtsrevisionen für die Vormonate auf eine nachlassende Dynamik hingedeutet. Damit hat sich das Bild für die Fed innerhalb weniger Tage verändert. Nach der Sitzung Ende Juli, bei der drei Mitglieder für eine Zinserhöhung gestimmt hatten, schien ein weiterer Zinsschritt im Herbst zunehmend wahrscheinlich. Die jüngsten Daten sprechen nun eher für eine abwartende Haltung.
Technologieaktien finden wieder den Tritt.
Die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten hat in der vergangenen Woche wieder zugenommen. Ausschlaggebend waren vor allem zwei Entwicklungen: eine mögliche Entspannung im Nahen Osten und eine Stabilisierung bei Aktien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz und der Halbleiterindustrie. Davon profitierten insbesondere zyklische Aktien und Wachstumswerte. Besonders Halbleiter- und Speicherchipwerte waren gefragt. Der S&P 500 erreichte am Donnerstag sogar ein neues Rekordhoch. Die Skepsis gegenüber dem KI-Boom ist allerdings nicht verschwunden. Anleger schauen inzwischen genauer darauf, ob die milliardenschweren Investitionen in KI tatsächlich in entsprechend hohe Gewinne münden. Das zeigte sich beispielsweise bei Cisco: Gute Geschäftszahlen reichten nicht aus, weil der KI-Ausblick enttäuschte.
Schweizer Franken gibt nach.
Der Schweizer Franken hat sich in den vergangenen zwei Wochen gegenüber den wichtigsten Währungen leicht abgeschwächt. Seit Ende Juli verteuerten sich Euro, US-Dollar, britisches Pfund und japanischer Yen gegenüber dem Franken. Ein Euro kostet aktuell rund 94 Rappen, ein US-Dollar gut 81 Rappen.
Ein Grund dafür ist die nachlassende Nachfrage nach sicheren Anlagen. Die Entspannung der geopolitischen Lage hat den Bedarf nach dem als «sicherer Hafen» geltenden Franken reduziert. Gleichzeitig sprechen die weiterhin tiefen Schweizer Zinsen gegen eine stärkere Aufwertung der Währung. Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger mit Investitionen in Fremdwährungen ist diese Entwicklung positiv. Wertet der Franken ab, gewinnen Anlagen etwa in US-Dollar oder Euro bei der Umrechnung in Franken zusätzlich an Wert. Die Währungsentwicklung liefert damit derzeit einen leichten Rückenwind für ausländische Aktien und Anleihen.
Goldrallye nimmt Fahrt auf.
Interessant ist, dass nicht nur Aktien gefragt waren. Auch Gold profitierte und steuert trotz eines Rücksetzers am Donnerstag auf die zweite positive Woche in Folge zu. Das Edelmetall hatte zwischenzeitlich ein Zehnwochenhoch erreicht. Das zeigt die etwas widersprüchliche Stimmung: Anleger werden wieder risikofreudiger, wollen sich angesichts des Iran-Kriegs und der weiterhin unsicheren Geldpolitik aber gleichzeitig absichern.
GKB Finanz-News in den Sommerwochen.
Während der Sommerwochen erscheint unser Finanz-News-Newsletter jeweils am Montag und Freitag in Ihrem Posteingang. Zum Wochenstart geben wir Ihnen einen kompakten Ausblick auf die wichtigsten Themen der Woche, zum Wochenschluss ordnen wir die zentralen Entwicklungen ein.