Anleiherenditen setzen Aktienmärkte unter Druck.
Das dominierende Thema der Woche war der kräftige Anstieg der langfristigen Zinsen. In den USA stieg die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen (Treasuries) zeitweise auf rund 5,3 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit fast 20 Jahren. Auch die Rendite zehnjähriger Treasuries bewegte sich zuletzt um 4,7 Prozent. Auch europäische Staatsanleihen legten zu. Dahinter stehen mehrere Sorgen gleichzeitig: hohe Staatsdefizite, steigende Schulden, höhere Ölpreise und damit verbundene Inflationsrisiken. Hinzu kommt der enorme Kapitalbedarf für den Ausbau der KI-Infrastruktur. Anlegende verlangen deshalb eine höhere Verzinsung, um Staaten und Unternehmen langfristig Geld zu leihen.
Höhere Renditen verteuern Kredite für Unternehmen, Haushalte und Staaten. Gleichzeitig werden Anleihen gegenüber Aktien attraktiver. Besonders hoch bewertete Wachstums- und Technologieaktien leiden darunter, weil ihre weit in der Zukunft erwarteten Gewinne bei höheren Zinsen weniger wert sind. Das US-Finanzministerium versuchte am Mittwoch gegenzusteuern und kündigte grössere Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen an. Die Renditen fielen zunächst deutlich, stiegen am Donnerstag aber bereits wieder. Der Markt zweifelt daran, dass solche Massnahmen das grundsätzliche Problem der hohen US-Verschuldung lösen können.
Öl über 90 Dollar bringt die Inflation zurück ins Spiel.
Auch der Nahostkonflikt blieb ein zentraler Markttreiber. Die Gespräche zwischen den USA und Iran brachten bislang keine nachhaltige Entspannung. Entsprechend stiegen die Sorgen um die Energieversorgung und insbesondere den Transport durch die Strasse von Hormus. Brent-Öl erreichte zeitweise knapp 95 Dollar je Barrel und damit den höchsten Stand seit rund einem Monat.
Das Problem für die Finanzmärkte: Höhere Energiepreise verteuern Produktion und Transport und können die Inflation erneut anheizen. Damit steigt wiederum das Risiko, dass die Notenbanken ihre Zinsen länger hoch halten oder sogar nochmals erhöhen müssen. Die Fed-Protokolle vom Mittwoch unterstrichen dieses Risiko. Mehrere Mitglieder der US-Notenbank waren bereits im Juli bereit, die Zinsen anzuheben. Viele signalisierten, dass eine weitere Straffung nötig werden könnte, falls sich die Inflation nicht klar in Richtung des 2-Prozent-Ziels bewegt.
Dollar verliert – Franken und Gold legen zu.
Der Stress am Anleihemarkt führte gleichzeitig zu ungewöhnlichen Bewegungen bei Dollar und Gold. Nach der überraschenden Ankündigung der US-Anleiherückkäufe geriet der Dollar deutlich unter Druck. Anleger interpretierten die Massnahme teilweise als Zeichen dafür, wie ernst die Probleme am amerikanischen Anleihemarkt geworden sind. Gold gehörte entsprechend zu den Gewinnern der Woche. Der Preis stieg am Mittwoch um mehr als 3 Prozent und lag am Freitagmorgen bei rund 4537 US-Dollar je Unze. Auf Wochensicht beträgt das Plus bislang rund 3,6 Prozent.
Auch der Schweizer Franken profitierte: Der Dollar steuerte am Freitagmorgen auf seinen stärksten Wochenverlust gegenüber dem Franken seit Januar zu. Gold und Franken erfüllen damit wieder stärker ihre klassische Funktion als «sichere Häfen», wenn Anleger gleichzeitig an Staatsfinanzen, Inflation und Geopolitik zweifeln.
KI-Euphorie trifft auf Bewertungs- und Finanzierungsfragen.
Auch innerhalb des Aktienmarktes änderte sich die Stimmung. Besonders die zuvor stark gestiegenen Halbleiter- und KI-Aktien gerieten am Dienstag unter Druck. Dabei geht es zunehmend weniger um die Frage, ob KI wächst, sondern darum, wie profitabel die enormen Investitionen tatsächlich werden. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt diese Woche eine Analyse des «Wall Street Journal». Demnach haben neun grosse Technologieunternehmen zusätzlich zu ihren ausgewiesenen Investitionen Verpflichtungen von mehr als 3 Billionen Dollar, unter anderem für Rechenzentren, Chips, Energie und langfristige Leasingverträge. Das bedeutet nicht, dass der KI-Boom vorbei ist. Aber die Messlatte steigt: Bei hohen Bewertungen und gleichzeitig steigenden Finanzierungskosten müssen Unternehmen stärker beweisen, dass aus den Milliardeninvestitionen auch entsprechende Gewinne entstehen.