«Die Fed steht vor einem Drahtseilakt zwischen Wachstum und Inflation.»
In der vergangenen Woche richtete sich die Aufmerksamkeit der Finanzwelt erneut auf Jackson Hole, die kleine Stadt am Fusse der Rocky Mountains. Dort fand das alljährliche Treffen der wichtigsten Notenbanken statt. Nicht selten wurden an diesem Meeting wegweisende geldpolitische Entscheidungen kommuniziert. In diesem Jahr gab es vor allem zwei bestimmende Themen: Die Entwicklungen am Arbeitsmarkt sowie die zukünftige Strategie der US-Notenbank, insbesondere die Diskussion um mögliche Zinssenkungen.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand somit einmal mehr die US-Notenbank Fed. Fed-Chef Jerome Powell deutete in seiner Rede an, dass im September eine Zinssenkung möglich sei. Gleichzeitig betonte er, dass eine endgültige Entscheidung noch ausstehe. Bis zum nächsten Zinsentscheid werden wichtige Wirtschaftsdaten zum Arbeitsmarkt und zur Inflation veröffentlicht. Powell wollte dem geldpolitischen Ausschuss nicht vorweggreifen, da diese Daten den weiteren Kurs noch beeinflussen könnten. Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit achtet die Fed besonders darauf, keine voreiligen Signale zu senden, um die Aktienmärkte nicht unnötig in Aufruhr zu versetzen.
Die Fed steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Die Inflation zeigt einen leichten Aufwärtstrend, gleichzeitig schwächen sich Arbeitskräftenachfrage und Wirtschaftswachstum ab. Im ersten Halbjahr 2025 wuchs die US-Wirtschaft nur um rund 1.2 Prozent – deutlich weniger als im langfristigen Durchschnitt. Zudem belasten steigende Zölle die Wirtschaftsleistung. Die Herausforderung für die Zentralbank besteht darin, die Konjunktur zu stützen, ohne den Preisauftrieb zusätzlich zu befeuern – ein Balanceakt mit hohen Risiken.
An den Aktienmärkten sorgte Powells Tonfall für Erleichterung. Aktien legten zu, da niedrigere Zinsen Kredite günstiger machen und damit Unternehmensgewinne wie auch den privaten Konsum stützen könnten. Doch bleibt die Unsicherheit bestehen: Sollte die Inflation hartnäckiger ausfallen als erwartet, könnte die Fed den Kurswechsel hinauszögern. Das wiederum würde die Aktienmärkte unter Druck setzen.
Auch der US-Dollar reagierte spürbar: Nach einer kurzen Erholung gab er seine Gewinne wieder ab. Für den weiteren Jahresverlauf erwarten wir eine anhaltende Schwäche des US-Dollars – getrieben vom nachlassenden Wachstum und den möglichen Zinssenkungen der Fed.
Abschliessend lässt sich festhalten: Powells Botschaft aus Jackson Hole war eindeutig. Eine Zinssenkung im September ist realistisch, aber nicht beschlossen. Massgeblich werden die kommenden Konjunkturdaten sein. Angesichts der bereits restriktiven Geldpolitik ist die Wahrscheinlichkeit einer Lockerung gestiegen. Dennoch bleibt die Lage fragil – schwaches Wachstum und ein unsicherer Inflationsausblick könnten die Märkte noch länger in Atem halten.