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Comeback der traditionellen Anlagen

Datum: 23.01.2023 
Autor: Daniel Lüchinger

​Der Start ins neue Anlagejahr ist den Finanzmärkten ausserordentlich gut gelungen. Die globalen Aktienmärkte verzeichneten gar den besten Jahresstart des vergangenen Jahrzehnts. Doch was führt zu diesen erfreulichen Entwicklungen an den Finanzmärkten? Hat sich das Umfeld seit Ende 2022 so stark geändert und sind die Themen Inflation, Zinserhöhungen und Konjunkturabschwächung mittlerweile Geschichte? 

«Die Aussichten für ein gemischtes Portfolio sind aktuell sehr gut.»


Nicht nur die Aktienmärkte starteten erfolgreich ins neue Anlagejahr. Die deutlichen Renditerückgänge seit Jahresbeginn bei Staatsanleihen sorgten auch bei Obligationen für einen erfreulichen Start. Der Risikoappetit der Anleger ist zurück – sichere Häfen wie der Schweizer Franken waren in den letzten Wochen weniger gesucht.

Die rückläufigen Renditen an den Obligationenmärkten sowie eine stark inverse Zinsstrukturkurve zeigen, dass der jüngste Aufwärtstrend insbesondere durch das «Prinzip Hoffnung» getrieben wird – der Hoffnung auf eine tiefere Inflation sowie anhaltende Zinssenkungsfantasien. Die zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten aus den USA fielen schwach aus und rückten damit die latenten Rezessionsängste wieder in den Vordergrund. Insbesondere die rückläufigen Detailhandelsumsätze sowie die schrumpfende Industrieproduktion enttäuschten. Auch das jüngste «Beige Book», der Konjunkturbericht der US-Notenbank, zeigt einen weitgehenden Stillstand des US-Wirtschaftswachstums auf. Und einmal mehr gilt: Schlechte Neuigkeiten sind auch gute Neuigkeiten. Denn das Beige Book und die enttäuschenden Wirtschaftsdaten sprechen für eine Reduktion der Geschwindigkeit der Zinserhöhungen oder gar ein Ende des Zinserhöhungszyklus. 

Damit wären die Treiber der Rally der letzten Wochen identifiziert – denn die fundamentale Lage hat sich seit dem Jahreswechsel kaum verändert. Das Thema Inflation wird 2023 nicht aus dem Blickfeld verschwinden. Die starken Zinserhöhungen der US-Notenbank entfalten mehr und mehr ihre Wirkung und die Zentralbanken in den USA und in Europa nähern sich ihren jeweiligen Leitzinsgipfeln an. Die globale Rezession, welche aus unserer Sicht mild ausfallen wird, ist vorprogrammiert.

Zwar ist die Wertentwicklung der Vergangenheit kein Indikator für künftige Renditen, dennoch lohnt sich ein Blick zurück meistens. Analysen zeigen, dass gemischte Portfolios – also Anlagedepots bestehend aus Obligationen und Aktien – nach Jahren mit Verlusten von zehn Prozent und mehr mit einer starken Erholung reagierten. Der Start ins neue Jahr ist zumindest gelungen. Wir sind zudem der Meinung, dass die Aussichten für ein gemischtes Portfolio aktuell sehr gut sind und sich Diversifikation wieder lohnt. Die höheren Zinsen machen Obligationen wieder interessant. Die sinkende Inflation und daher nur milde Rezession sorgen mittelfristig auch für eine Aufhellung bei Aktien. In der kurzen Frist bleiben wir vorsichtig und halten an der defensiven Aktienpositionierung fest. In einem Umfeld mit leicht höheren Zinsen und schwächerem Wachstum ist der Fokus auf gute Qualität von zentraler Bedeutung – und zwar bei Aktien und Obligationen. 



Gemeinsam wachsen.