Exporte und Industrie unter Druck
Ein zentraler Belastungsfaktor ist die Exportwirtschaft. Nach stabilen ersten drei Quartalen 2025 sind die Ausfuhren seit Herbst deutlich rückläufig. Besonders betroffen sind die wichtigen Absatzmärkte Deutschland und Italien, auf die rund 30 Prozent der Exporte Graubündens entfallen. Die Gründe liegen vor allem in der schwachen Konjunktur dieser Länder sowie in internationalen Handelsunsicherheiten. Diese treffen eine exportorientierte Region wie Graubünden direkt.
Die Entwicklung in den wichtigsten Exportbranchen zeigt ein gespaltenes Bild: Während die Chemie- und Pharmaindustrie lange stabil blieb, geraten Maschinenbau sowie Elektronik und Präzisionstechnik zunehmend unter Druck. Ein positiver Ausreisser ist hingegen die stark wachsende Sammelgruppe «Schmuck u.ä», zu der unter anderem auch medizinische Apparate und Materialien gehören.
Verkehr als Frühindikator der Konjunktur
Der für Industrie und Gewerbe wichtige LKW-Verkehr ist 2025 deutlich zurückgegangen – ein klares Signal für eine geringere wirtschaftliche Aktivität. Gleichzeitig nahm der Personenverkehr leicht zu, was auf stabile Pendlerströme und eine intakte touristische Nachfrage hindeutet.
Tourismus trägt, Arbeitsmarkt schwächt sich ab
Der Tourismus bleibt denn auch eine zentrale Stütze: Die Logiernächte stiegen 2025 um rund 3 Prozent und entwickelten sich stärker als im Schweizer Durchschnitt. Besonders Gäste aus den USA sorgten für zusätzliche Impulse, während sich auch die Nachfrage aus Deutschland zuletzt wieder positiv entwickelte.
Am Arbeitsmarkt zeigt sich hingegen eine Abschwächung. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen ging 2025 zurück und ist Anfang 2026 nochmals deutlich gesunken. Gleichzeitig steigt die Zahl der Stellensuchenden in mehreren Branchen – ein Zeichen wachsender Vorsicht bei den Unternehmen.
Fundament bleibt stabil, Risiken nehmen zu
Die Ausgangslage bleibt damit zwiespältig: Graubünden ist wirtschaftlich solide aufgestellt, doch die Abhängigkeit von der internationalen Entwicklung macht sich zunehmend bemerkbar.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die Abschwächung verfestigt – oder ob neue Impulse für eine Stabilisierung sorgen.