Die grossen Notenbanken treten vorsichtiger auf, geben aber keine Entwarnung. Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) haben ihre Leitzinsen letzte Woche unverändert gelassen. Entscheidend ist jedoch weniger die Zinspause selbst, sondern die Botschaft dahinter: Die Inflation bleibt hartnäckig, die Wirtschaft zeigt sich robuster als erwartet, und weitere Zinsschritte sind nicht ausgeschlossen. Besonders in den USA war der Entscheid umstritten, da einzelne Stimmen eine erneute Zinserhöhung bevorzugt hätten.
Damit bleibt der Weg zu tieferen Zinsen steinig. Die Phase schneller Zinserhöhungen scheint zwar vorerst vorbei, eine rasche Zinswende ist daraus aber nicht abzuleiten. Fed und EZB wollen sich nicht frühzeitig festlegen. Sie werden weiterhin genau beobachten, wie sich Inflation, Energiepreise und Löhne entwickeln. Erst wenn der Preisdruck klar und nachhaltig nachlässt, entsteht wieder mehr Spielraum für tiefere Zinsen.
Für die Finanzmärkte ist diese Ausgangslage anspruchsvoll: Eine robuste Wirtschaft stützt Unternehmensgewinne und Aktienmärkte – gleichzeitig bleiben die Finanzierungskosten für Unternehmen, Staaten und Haushalte erhöht. Das verlangt mehr Disziplin bei Investitionen, Konsum und Verschuldung. Besonders zinssensitive Bereiche wie Immobilien, Bau, kleinere Unternehmen und hoch bewertete Wachstumsaktien bleiben anfällig für Rückschläge.
Die Schweiz steht im internationalen Vergleich komfortabler da. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Leitzins zuletzt bei null Prozent belassen, während die Inflation mit rund einem Prozent klar im Zielband liegt. Auch die Kerninflation bleibt tief. Das spricht gegen unmittelbaren Handlungsdruck, weil es derzeit kaum Hinweise auf breite Zweitrundeneffekte gibt. Gleichzeitig zeigt sich die Schweizer Konjunktur solide: Frühindikatoren liegen über ihrem langfristigen Durchschnitt, der Dienstleistungssektor entwickelt sich robust, und die Wachstumserwartungen wurden nach oben angepasst. Damit erscheint eine dauerhaft expansive Geldpolitik zunehmend weniger passend.
Der Blick richtet sich nun auf den Dezember, wenn die nächsten Zinsentscheide der grossen Notenbanken anstehen. Bei Fed und EZB rechnen die Finanzmärkte wieder stärker mit weiteren Zinsschritten nach oben. Für die SNB erwarten wir dagegen vorerst Geduld und einen unveränderten Leitzins. Die Inflation liegt im Zielband, und der unmittelbare Druck ist gering. Das Fenster für eine Zinserhöhung der SNB könnte sich aber Anfang 2027 öffnen. Entscheidend bleiben Franken, Energiepreise und importierte Inflation.