Die Finanzmärkte blicken auf eine wichtige Woche. Im Zentrum stehen die grossen Notenbanken und die Frage, wie hartnäckig die Inflation bleibt. Die US-Notenbank Fed entscheidet am Mittwoch über ihre Geldpolitik, die Europäische Zentralbank folgt am Donnerstag. Wir erwarten bei beiden Notenbanken keine Zinserhöhung. Entscheidend dürfte deshalb weniger der eigentliche Zinsentscheid sein, sondern der Ausblick: Lassen Fed und EZB weitere Zinsschritte offen – oder signalisieren sie, dass die Zinsen länger hoch bleiben?
Das wirtschaftliche Umfeld zeigt zwei Seiten. Einerseits läuft die Konjunktur robuster als erwartet – Unternehmen investieren weiter, die Kreditvergabe bleibt stabil, und auch die Konsumnachfrage hält sich solide. Das stützt Wachstum, Unternehmensgewinne und damit auch die Finanzmärkte. Andererseits ist genau diese Stärke ein Grund, weshalb die Inflation nicht rasch zurückgeht. In vielen Regionen liegen die Teuerungsraten weiterhin bei rund 3 bis 4 Prozent. Das ist deutlich tiefer als während der Inflationsspitze, aber noch immer zu hoch für die Notenbanken. Solange die Nachfrage robust bleibt und Kredite verfügbar sind, können Unternehmen höhere Kosten eher weitergeben. Damit bleibt der Preisdruck bestehen.
Für die Zinsen bedeutet das: Sie dürften vorerst erhöht bleiben. Sollten Inflation und Nachfrage weiter stark bleiben, könnten einzelne Notenbanken in den kommenden Monaten sogar nochmals leichte Zinserhöhungen prüfen. Die Hoffnung auf rasch tiefere Zinsen bleibt damit gedämpft.
Zusätzliche Unsicherheit kommt von der Geopolitik: Konflikte, Handelsstreitigkeiten, Zölle oder Störungen bei Lieferketten können Energie- und Güterpreise rasch verteuern. Für Unternehmen bedeutet dies höhere Kosten, für Konsumierende weniger Kaufkraft. Beides kann den Rückgang der Inflation verzögern und die Schwankungen an den Finanzmärkten verstärken.
Für die Schweiz ist die Ausgangslage vergleichsweise komfortabel. Die Inflation ist tiefer als in vielen anderen Ländern, der Arbeitsmarkt bleibt robust, und der Schweizer Franken wirkt teilweise als Schutz gegen importierte Teuerung. Die Schweizerische Nationalbank hat dadurch mehr Spielraum als andere Notenbanken. Gleichzeitig kann sich die Schweiz dem globalen Umfeld nicht entziehen – höhere Zinsen in den USA oder im Euroraum beeinflussen auch Schweizer Obligationenrenditen. Zudem wirken geopolitische Unsicherheit und Zinsunterschiede auf den Franken.
Für Anlegerinnen und Anleger heisst das: Das Umfeld bleibt unterstützend, aber anspruchsvoll. Eine robuste Wirtschaft und solide Unternehmensgewinne sprechen weiterhin für Aktien. Gleichzeitig können hartnäckige Inflation, erhöhte Zinsen und geopolitische Risiken immer wieder für Rückschläge sorgen. Qualität, solide Bilanzen und eine breite Diversifikation über Anlageklassen, Regionen und Währungen bleiben deshalb wichtig.