Die Finanzmärkte stehen zurzeit gleich von mehreren Seiten unter Druck. Zum einen belasten die geopolitischen Spannungen die Stimmung – zum anderen steigen die Ölpreise, was die Hoffnung auf eine rasche Entspannung bei der Inflation dämpft. Gleichzeitig richtet sich der Blick auf die US-Notenbank Fed, die am kommenden Mittwoch über ihren Leitzins entscheidet.
Bereits am Treffen in Jackson Hole machte die US-Notenbank deutlich, dass sie im Kampf gegen die Inflation vorsichtig bleibt und sich nicht zu früh auf einen lockereren Kurs festlegen will. Vor diesem Hintergrund sind die jüngsten Inflationszahlen aus den USA besonders wichtig: Der Preisauftrieb hat zuletzt wieder etwas zugenommen, vor allem wegen höherer Energiepreise. Damit hat sich auch die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung in den USA in dieser Woche erhöht.
Für die Finanzmärkte ist dies eine anspruchsvolle Ausgangslage. Höhere Ölpreise können die Inflation erneut anheizen. Wenn die Fed gleichzeitig eine harte Linie beibehält, steigen die Finanzierungskosten weiter oder bleiben zumindest hoch. Das belastet vor allem zinssensitive Bereiche wie Technologie, Immobilien und stark fremdfinanzierte Unternehmen. Andere Sektoren mit stabileren Erträgen könnten sich in diesem Umfeld robuster zeigen.
Hierzulande überprüft die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Geldpolitik regelmässig im März, Juni, September und Dezember. Zwar entscheidet sie unabhängig und orientiert sich an der Preisstabilität in der Schweiz, dennoch spielt die Entwicklung in den USA ebenfalls eine Rolle. Wenn die US-Zinsen hoch bleiben, kann das auch die Renditen in Europa und in der Schweiz beeinflussen. Zudem wirkt sich die US-Geldpolitik oft auf den Wechselkurs aus: Ein starker US-Dollar kann den Franken gegenüber dem Dollar schwächen, während der Franken in unsicheren Zeiten gleichzeitig als sicherer Hafen gefragt bleibt. Somit sind hier gegensätzliche Kräfte am Werk.
Für Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz bedeutet das: Das Umfeld wird anspruchsvoller. Wer investiert ist, sollte auf eine breite Diversifikation achten und bei stark zinssensitiven Anlagen selektiv bleiben. Qualität, solide Bilanzen und eine ausgewogene Aufteilung über verschiedene Anlageklassen gewinnen in einem solchen Umfeld an Bedeutung.