Jens Korte, wie fällt die Beurteilung der aktuellen Situation im Iran aus?
Es ist dramatisch, was sich abspielt – nicht nur aus Börsen- und wirtschaftlicher Sicht. Die grosse Frage ist, wie lange der Konflikt andauert. Insbesondere auch mit Blick auf die Schliessung der Strasse von Hormus. Dies ist für Europa fast noch entscheidender als für die USA. Dabei geht es nicht nur um Öl, sondern auch um die Gaslieferungen für Europa, gerade auch an Deutschland. Dies sind entscheidende wirtschaftliche Fragen. Zudem: Sollten viele amerikanische Soldaten zu Schaden kommen, könnte dies auch die Stimmung in der US-Bevölkerung kippen.
Zuletzt gab es für Donald Trumps Zollpolitik Gegenwind. Wie geht es da weiter?
Es ist aktuell eine völlig unübersichtliche Situation. Der oberste US-Gerichtshof hat die Zölle, welche Donald Trump am «Liberation Day» im April 2025 verkündet hatte, für unrechtmässig erklärt. Als Reaktion darauf hat der US-Präsident erst einmal einen Globalzoll eingeführt – für den Moment in Höhe von 10 Prozent. Dies kann er vorerst für fünf Monate machen, danach muss er wieder Rücksprache mit dem Kongress nehmen und überlegen, wie es weiter geht. Für die Importeure ist dies eine sehr schwierige und unübersichtliche Situation. Und auch wenn die US-Regierung behauptet, die Zölle würden vom Ausland getragen, ist es realistischerweise so, dass in erster Linie die importierenden Unternehmen die Zölle zahlen – und dann einen Teil der höheren Kosten an die Konsumenten weitergeben. Damit gab es von Seiten der Wirtschaft massiven Druck, auch auf den Supreme Court, um diese Zölle für unrechtmässig zu erklären.
Die Produzentenpreise sind zuletzt angestiegen, gleichzeitig läuft die US-Wirtschaft erstaunlich gut. Täuscht das Bild?
Wenn man sich die Zahlen zum Arbeitsmarkt, zum Wachstum und zum Konsum anschaut, sieht es recht gut aus. Doch wenn man etwas tiefer blickt, stellt man fest, dass es ein kleiner Anteil der US-Bevölkerung ist, der davon profitiert. Auch weil die Aktienmärkte in den letzten drei Jahren sehr gut gelaufen sind. Es ist ein kleiner Prozentsatz, der in erster Linie von diesem Wachstum profitiert. Ein grösserer Teil der Bevölkerung hat schon fast Schwierigkeiten, sich die normalen Dinge des Lebens leisten zu können.