Mit globalem Handelskrieg und der Devise «Make America Great Again» beabsichtigte US-Präsident Donald Trump, möglichst viel Kontrolle über wichtige Stellhebel zu erlangen und ein wachstumsfreundliches Umfeld mit tiefen Zinsen zu schaffen. Nach dem Marktschock in 2025 wurde das Ausmass der Massnahmen ersichtlich – der Vertrauensverlust schickte den US-Dollar auf die Reise Richtung Süden. Anfang dieses Jahres kam es aufgrund der robusten Konjunktur und des KI-Booms zu einer erhöhten Nachfrage nach US-Dollar. Zudem gelang es dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh, Anlegerinnen und Anleger zu beruhigen.
In den USA zeigt sich die Wirtschaft zu Beginn des Herbstes weiterhin erstaunlich robust. Das Wachstum im dritten Quartal dürfte bei rund 3 Prozent gelegen haben und wurde massgeblich durch Unternehmensinvestitionen im Bereich «Künstliche Intelligenz» getrieben. Der noch wichtigere Faktor ist allerdings der US-Konsument: Die privaten Haushalte haben ihr hohes Ausgabetempo aufrechterhalten. Viele von ihnen haben ihre Sparquote gesenkt und Vermögensgewinne an den Aktienmärkten genutzt, um stagnierende Realeinkommen auszugleichen. Dieser Puffer ist jedoch nicht unendlich.
Im September schuf der US-Arbeitsmarkt deutlich weniger neue Stellen ausserhalb der Landwirtschaft als erwartet. Dennoch reicht das aktuelle Niveau knapp aus, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Insgesamt dürfte der jüngste Arbeitsmarktbericht den Währungshütern keine Hindernisse für die Fortsetzung ihrer geldpolitischen Straffung in den Weg gelegt haben. Die guten US-Wirtschaftsdaten in Kombination mit der hartnäckigen Teuerung haben die Märkte denn auch dazu veranlasst, bis Mitte nächstes Jahr drei Zinserhöhungen der Fed à 25 Basispunkte einzupreisen. Die nächste Zinserhöhung erwarten wir noch im Dezember 2026.
Auch für die weitere Entwicklung des US-Dollars bleibt die US-Konjunktur die Schlüsselvariable. Für 2027 sind erste Risse erkennbar. Solange die Zinsdifferenz zwischen den USA und der Schweiz auf dem jetzigen Niveau verharrt oder sich gar noch ausweitet, bleibt der USD gestützt. Mit dem Überschreiten von 0.82 hat sich das technische Bild zu Gunsten des USD zuletzt verbessert. Wir gehen weiterhin davon aus, dass sich die Zinsschere im späteren Verlaufe des nächsten Jahres wieder einzuengen beginnt. Entsprechend sollte auch das Währungspaar USD/CHF dann wieder Richtung Süden tendieren.