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Sell in May and go away?

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schöne Aussicht an einem Frühlingstag auf der Alp im Oberhalbstein
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Jedes Frühjahr taucht der Börsenmythos «Sell in May and go away» wieder auf. Klingt einprägsam und fast schon weise – doch wer ihm blind folgt, verpasst oft Rendite. Gerade deshalb lohnt es sich, Börsenmythen kritisch zu hinterfragen.

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Wer Vermögen aufbauen will, braucht keinen Kalender – sondern einen Plan.
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Daniel Lüchinger, CIO der Graubündner Kantonalbank

Im Kern geht es bei «Sell in May and go away» um die Annahme, dass die Sommermonate an den Börsen schwächer verlaufen und es deshalb klüger sei, in dieser Zeit nicht investiert zu sein. Als Gegenstück zu «Sell in May and go away» gilt «Remember to come back in September», weil die Renditeaussichten im Winter wieder rosiger seien.

Die Daten zeigen, dass der saisonale Effekt nicht konsistent ist. Zwar war die Winterperiode historisch oft stärker, doch auch die Sommermonate lieferten regelmässig positive Renditen. Der Schweizer Aktienmarkt schloss gemessen am SPI seit 2012 die Periode von Mai bis September in 11 von 14 Jahren positiv ab. Die durchschnittliche Rendite lag in diesem Zeitraum bei 1.77 Prozent. Ohne das schwache Börsenjahr 2022 wäre sie sogar bei über 3 Prozent gelegen. Zwar fallen die Renditen in den übrigen Monaten im Durchschnitt höher aus – rund 1 Prozent pro Monat gegenüber etwa 0.4 Prozent während der Sommerperiode. Dennoch zeigt sich: Wer pauschal ausstieg, verpasste oft Renditechancen. Ergo: Wer dem Mythos folgte, liess mögliche Erträge liegen. Denn die Finanzmärkte reagieren auf aktuelle Entwicklungen und nicht auf den Kalender. Entscheidend sind Unternehmensgewinne, Geldpolitik und Konjunkturaussichten. Oder wie aktuell die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und deren Einfluss auf die Realwirtschaft.

Die «Sell in May»-Strategie basiert auf der Annahme, dass sich durch gezieltes «Markt Timing» – also dem gezielten Ein- und Aussteigen aus den Aktienmärkten, eine höhere Rendite erzielen lässt. Die Praxis zeichnet aber ein anderes Bild: Anlegerinnen und Anleger, die versuchen, Zeitpunkte vorherzusagen, verpassen häufig die besten Tage an der Börse. Doch genau diese besten Tage sind für einen Grossteil der Portfoliorendite entscheidend.

Von Natur aus handeln wir leider oft nicht systematisch, sondern lassen uns von bekannten Sprüchen, den News oder der Marktstimmung leiten. Börsenmythen ignorieren Bewertungen, Zinsen und Gewinnentwicklung. «Sell in May» ist ein Beispiel dafür, wie emotionale Denkmuster und mediale Wiederholungen zu Fehlentscheidungen führen können – selbst bei grundsätzlich gut informierten Anlegern.

Anstatt sich auf Börsenmythen zu verlassen, empfiehlt sich eine klar strukturierte Anlagestrategie. Diese sollte langfristig ausgerichtet, breit diversifiziert und an den eigenen Zielen sowie der persönlichen Risikofähigkeit orientiert sein. Wer investiert bleibt, statt den Markt zu timen, hat historisch gesehen bessere Karten – unabhängig vom Monat.

Fazit
Börsenweisheiten sind kein Ersatz für eine durchdachte Anlagestrategie. Wer sich von einfachen Regeln leiten lässt, blendet oft entscheidende Faktoren aus. Langfristiger Anlageerfolg entsteht durch Disziplin, Geduld und klare Entscheidungen. Wer Vermögen aufbauen will, braucht keinen Kalender – sondern einen Plan.
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Älplisee Arosa
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