Daniel Lüchinger, die Globalkonjunktur hat in den letzten sechs Monaten mit viel Gegenwind zu kämpfen gehabt. Inwiefern sieht man das in den aktuellen Daten?
Viel weniger, als man erwartet hätte. Wir sehen, dass die globalen Wirtschaftsindikatoren immer noch auf der positiven Seite überraschen können. Was man aber schon sieht, ist eine regional grosse Divergenz. Es gibt grosse Unterschiede, vor allem zwischen den USA und Europa. Die USA wachsen sogar stärker als das Potenzial. In Europa sieht es anders aus. Der Iran-Krieg führt dazu, dass das Wachstum wahrscheinlich in den negativen Bereich fallen könnte. Die aktuellen Verhandlungen über einen Deal dürften aber zu einer deutlichen Verbesserung der Lage führen. Das wäre dann etwas Rückenwind oder zumindest weniger Gegenwind für Europa. So können wir uns auch wieder auf die fundamentalen Faktoren konzentrieren, wie gutes Wachstum, gute Unternehmensgewinne, starke Unternehmen und eben die Expansion der Künstlichen Intelligenz (KI).
Basierend auf dieser Ausgangslage hat das Investmentkomitee der GKB vor ein paar Tagen die Positionierung für das dritte Quartal festgelegt. Welche Verschiebungen wurden hier besprochen und beschlossen?
Wir sind trotz des Krieges positiv geblieben. Ich glaube, das war einer der wichtigsten Faktoren in diesem Jahr, um erfolgreich sein zu können. Das wollen wir natürlich auch, wenn die Lösung absehbar ist, weiterhin bleiben. Denn die Unternehmensgewinne dominieren einfach alles momentan. Wir sehen sehr starke Gewinnentwicklungen, vor allem im Bereich der KI. Sie sind einfach so stark, dass es nicht wichtig ist, dass wir jetzt auf Höchstständen sind oder dass die Bewertungen hoch sind. Darum möchten wir bei Aktien weiterhin übergewichtet bleiben. Wenn man die Regionalität anschaut, finden wir die Schwellenländer interessant, denn sie profitieren sehr stark von der Verbreiterung der künstlichen Intelligenz. Beispielsweise beim Thema Rechenleistung. Neben den grossen Unternehmen profitiert zunehmend auch der breite Markt vom Thema KI. Und auch das wird weitergehen. Zudem haben wir die Korrektur beim Goldpreis genutzt, um die Goldquote wieder auf die gewünschte Höhe anzupassen.
Wie stellt man sich innerhalb der Aktienquote am besten auf?
Es gibt einen Hype um das Thema KI. Es ist wichtig, dass man hier investiert ist. Aber es ist auch wichtig, in andere Sektoren wie Gesundheit, Healthcare oder Infrastruktur oder den Schweizer Aktienmarkt insgesamt zu investieren. Auch wenn dies vielleicht nicht die grössten Wachstumsmärkte sind, profitieren sie, wenn sich die Wirtschaftslage verbessert. Wir haben in den letzten Wochen gesehen, wie schnell es auch in die andere Richtung gehen kann. Da hilft Stabilität im Portfolio. Darum ist es wichtig, dass man so einen Mix hat zwischen den eher Performance-Treibern aber dann vielleicht auch Diversifikatoren im Portfolio hat.