GKB Marktkommentar.
Leider gehören geopolitische Spannungen und bewaffnete Konflikte zu unserer Weltordnung. Aufgrund des globalisierten Welthandels nehmen solche Unruhen Einfluss auf die internationalen Finanzmärkte. Aus Investmentsicht ist es in einer ersten Phase wichtig, nicht in Panik zu verfallen. Geopolitische Spannungen und deren Horrorszenarien sind gut für Schlagzeilen, aber kein guter Indikator für Investitionsentscheide. Deshalb sollte man seine Investitionen vom Medienrauschen abgrenzen.
Selbstverständlich ist es wichtig, dass Konflikte individuell auf deren mannigfaltige Einflüsse betrachtet werden und zwischen einzelnen Anlageklassen differenziert wird. Im Allgemeinen haben die grosse Mehrheit der geopolitischen Ereignisse jedoch keinen signifikanten Einfluss auf die mittel- bis längerfristige Performance der Aktienmärkte.
Der Einfluss des Irans auf die globalen Finanzmärkte ist begrenzt. Der Staat ist aufgrund von Sanktionen schon seit Jahren teilisoliert. Die wichtigsten Handelsbeziehungen hat der Staat mit China, das für einen Grossteil der Erdölexporte verantwortlich ist. Die möglichen Auswirkungen des Konflikts beziehen sich daher auf die Energieversorgung und die Energiepreise. Die Kontrolle über die Strasse von Hormus, eine Meerenge im Persischen Golf, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Gastransports verläuft, stellt den wichtigsten strategischen Trumpf des Irans dar. Das Erliegen der Schifffahrtsroute durch die Strasse von Hormus hat zumindest kurzfristig Auswirkungen auf die Preise und die Verfügbarkeit von Erdöl und flüssigem Erdgas. Für Weltwirtschaft und Finanzmärkte ist entscheidend, wie lange die Blockade der Strasse von Hormus andauert. Wir gehen nicht von einem dauerhaften Konflikt aus, da es dabei eigentlich nur Verlierer geben würde.
Kriege sind immer eine humanitäre Katastrophe – für die Aktienmärkte gibt es in den meisten Fällen aber keinen Grund für starke Rücksetzer. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die globale Energieversorgung nur kurzfristig gestört wird. In diesem Fall wäre sie von kurzfristigen Schwankungen betroffen, könnte sich danach aber wieder erholen. Die zentrale Frage ist, wie schnell es den USA und Israel gelingt einen Sieg zu verkünden. Kritisch wird es, wenn die höheren Energiepreise (Rohöl in der Nähe von 100 USD) zu anhaltend höherer Inflation und höheren Zinsen führen mit entsprechenden Auswirkungen auf Wachstum und Unternehmensgewinne.