In der vergangenen Woche blickte die Finanzwelt erneut nach Jackson Hole. In der kleinen Stadt am Fusse der Rocky Mountains treffen sich jedes Jahr die wichtigsten Notenbanken. Das Treffen gilt als wichtiger Gradmesser für die künftige Geldpolitik. In diesem Jahr stand vor allem eine Frage im Zentrum: Wie entschlossen bleibt die US-Notenbank Fed im Kampf gegen die Inflation?
Die Botschaft war klar: Die Fed gibt noch keine Entwarnung. US-Notenbankchef Kevin Warsh machte deutlich, dass sich die Inflation noch nicht überzeugend genug abschwächt. Gleichzeitig bezeichnete er die Finanzierungsbedingungen nicht als besonders restriktiv. Das bedeutet: Die Fed sieht weiterhin Spielraum für eine straffe Geldpolitik. Falls die Inflation nicht schnell genug in Richtung Zielwert zurückgeht, bleibt auch eine weitere Zinserhöhung möglich.
Für die Finanzmärkte ist das ein wichtiges Signal: Die US-Zinsen könnten deshalb länger hoch bleiben als bisher erwartet.
Für Aktien ist diese Ausgangslage gemischt. Eine robuste US-Wirtschaft spricht für stabile Unternehmensgewinne und unterstützt die Risikostimmung – gleichzeitig belasten höhere Zinsen die Bewertungen. Besonders zinssensitive Bereiche wie Technologie, Immobilien und stark fremdfinanzierte Unternehmen können stärker unter Druck geraten. Entscheidend bleibt deshalb, ob die Gewinne der Unternehmen stark genug wachsen, um höhere Finanzierungskosten auszugleichen.
Auch für die Schweiz ist Jackson Hole relevant. Im Zentrum stehen die Zinsen und der Schweizer Franken. Bleiben die US-Zinsen hoch, kann dies die globalen Renditen stützen und auch die Finanzierungskosten in der Schweiz beeinflussen. Der direkte Handlungsdruck auf die Schweizerische Nationalbank ist aufgrund der tiefen Inflation in der Schweiz aber geringer als bei der Fed. Zentral bleibt auch der Wechselkurs: Eine restriktive Fed kann den US-Dollar stützen und den Franken gegenüber dem Dollar schwächen. In unsicheren Marktphasen bleibt der Franken jedoch als sicherer Hafen gefragt. Nach Jackson Hole dürfte die SNB vor allem prüfen, ob die globale Zinsentwicklung und der Franken neue Risiken für die Preisstabilität schaffen. Solange die Inflation tief bleibt und der Franken nicht stark aufwertet, spricht aktuell vieles für eine abwartende Haltung der SNB.