Immer dann, wenn aktuelle Themen einen starken Einfluss auf unser Handeln ausüben, sollten wir versuchen, Abstand zu gewinnen – insbesondere, wenn es um Anlageentscheide geht. Oft sehen wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr und neigen in solchen Situationen zu Überreaktionen.
Es lohnt sich, eine langfristige Perspektive einzunehmen. Werfen wir einen Blick auf die fast hundertjährige Geschichte des Schweizer Aktienmarkts: Seit 1925 erzielten Schweizer Aktien im Durchschnitt eine jährliche Rendite von knapp acht Prozent. Das ist beachtlich – denn dank des Zinseszinseffekts wurden aus 100 Schweizer Franken bis Ende 2021 über 157'000 Schweizer Franken. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie stark der Zinseszinseffekt langfristigen Investoren zugutekommt. Je länger Zinsen oder Erträge, die eine Anlage generiert, investiert und reinvestiert werden, desto stärker entfaltet sich dieser Effekt. Die ursprüngliche Investition wächst dadurch überproportional.
Die oben beschriebene Wertentwicklung wurde trotz diverser wirtschaftlicher und geopolitischer Krisen und sogar einem Weltkrieg erreicht. Klar ist: Schwankungen auszuhalten, braucht gute Nerven. Wieso dann nicht einfach warten, bis der Aktienmarkt korrigiert hat und dann (wieder) investieren? Leider ist dieser pragmatische Ansatz nicht erfolgversprechender. Die Rendite ist nicht besser als im Durchschnitt über den gesamten Zeitraum: Wird jeweils eine 10-Prozent-Korrektur abgewartet, bevor investiert wird, so fällt die Jahresrendite sogar tiefer aus. Abwarten bringt demnach im Durchschnitt keine bessere Rendite. Der Grund ist einfach: Mit diesem Vorgehen werden viele gute Marktphasen verpasst – denn Aufwärtstrends dauern in der Regel länger, als wir denken und gute und schlechte Börsentage liegen oft nahe beieinander.
In der kurzfristigen Sicht sind die Unsicherheiten sehr gross. Dies können wir auch aktuell gut beobachten: Positive und negative Börsentage wechseln sich aktuell ab. Aus der Geschichte lernen wir aber, dass geopolitische Krisen längerfristig nicht zu einem Ausverkauf an den Aktienmärkten führen. Übermässige Aktivität in Krisenzeiten führt selten zum Erfolg und verursacht dabei oft hohe Kosten.