Jens Korte, es ist viel los an der Wall Street. Für die meisten Schlagzeilen hat SpaceX gesorgt, der grösste Börsengang der Geschichte. Du warst live vor Ort. Wie erklärst du dir diese gewaltige Bewertung für das Unternehmen?
Es wird eine ganze Weile dauern, die Frage zu beantworten, ob diese Bewertung gerechtfertigt ist oder nicht. Persönlich bin ich eher skeptisch. SpaceX hatte 2025 einen Jahresumsatz von 19 Milliarden Dollar bei einem Verlust von 5 Milliarden Dollar. Elon Musk hat gesagt, er könnte sich vorstellen, dass 2030 ein Umsatz von einer Billion Dollar generiert werden könnte. Das ist eine sehr luftige Erwartung. Zu den Plänen gehören unter anderem die Kolonialisierung des Mars, rund 100'000 neue Satelliten im Orbit und es sollen Datencenter im All platziert werden. Es bleibt abzuwarten, ob das gelingt. Das Ganze ist ein sehr kapitalintensives Vorhaben. Auch ob xAI, also die zum Unternehmen gehörende KI-Sparte, es schafft, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, bleibt abzuwarten. Trotzdem hat SpaceX zwischenzeitlich eine Marktbewertung von über 2 Billionen Dollar erreicht.
Nicht nur Space X ist abgehoben, auch Chipaktien kennen kein Halten. Was hörst du dazu an der Wall Street?
Die Chip-Aktien sind die Stars der Börse. Auch da sind die Bewertungen schon sehr luftig. Nehmen wir nur mal Intel als Beispiel. US-Präsident Donald Trump hat über Social Media mitgeteilt, dass Intel jetzt für Apple Halbleiter designen und produzieren würde. In welcher Form ist zwar noch nicht klar, aber der Aktienkurs ist daraufhin um zehn Prozent gestiegen. Die Aktie ist innerhalb von zwölf Monaten um rund 460 Prozent gestiegen. Die Geschäfte laufen zwar besser, aber eine solche Kursexplosion innerhalb von zwölf Monaten, das ist doch schon gewaltig. Insofern bin ich auch hier etwas skeptisch, ob es nicht mal Zeit wäre, etwas Dampf rauszunehmen.
Letzte Woche fand die erste Notenbanksitzung unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh statt. Welchen Eindruck hat er hinterlassen?
Er scheint grosse Pläne zu haben, die amerikanische Notenbank grundlegend zu verändern. Dafür will er fünf Taskforces einberufen. Also Arbeitsgruppe die sich mal anschauen sollen, ob die Fed-Kommunikation geändert werden soll. Vielleicht wird es in Zukunft nicht mehr nach jeder Notenbanksitzung eine Pressekonferenz geben. Auch das Balance Sheet soll angeschaut werden: Es könnte sein, dass die amerikanische Notenbank dann vielleicht nicht mehr so aktiv Staatsanleihen oder auch Hypothekenpapiere kauft. Das könnte, wenn es diese Änderung geben sollte, gewaltige Auswirkungen auf den Finanzmarkt haben.