In der vergangenen Woche hatten die führenden Notenbanken erstmals die Gelegenheit, auf die militärische Eskalation im Iran zu reagieren. Innerhalb eines Zeitfensters von nur 24 Stunden hielten die Zentralbanken der USA, der Schweiz, der Eurozone, Grossbritanniens und Japans ihre Sitzungen ab. Während die geopolitischen Schocks die Energiepreise deutlich nach oben treiben, stehen die Währungshüter vor dem geldpolitischen Dilemma, zwischen Inflationsbekämpfung und wirtschaftlicher Stabilität zu navigieren.
Die US-Notenbank Fed beliess den Leitzins unverändert. Primärer Unsicherheitsfaktor ist der steigende Ölpreis, der US-Benzin bereits um 20 Prozent verteuert hat. Trotz einer robusten Konjunktur agiert die Fed zunehmend verhalten, um die Wirtschaft nicht zu überfordern. Parallel dazu sorgt die anhaltend zu hohe Kerninflation in den USA dafür, dass Zinssenkungen vorerst ausser Reichweite bleiben. Damit signalisiert die Fed, dass sie vorerst auf Sicht fährt und die Preisstabilität über kurzfristige Wachstumsimpulse stellt.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) beliess den Leitzins stabil, signalisierte aber höchste Wachsamkeit. Die Angst vor einer energiegetriebenen Inflation wiegt derzeit schwerer als die Sorge vor einer möglichen Rezession. Die EZB hält sich bewusst alle Optionen offen, um im Falle eines erneuten Preisschubs schnell und entschlossen gegensteuern zu können.