Die jüngste Entwicklung der Inflation in der Schweiz und die anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben Spekulationen ausgelöst, ob die SNB ihre Zinspolitik früher als erwartet anpassen könnte. Einige Stimmen bezweifeln, dass die Zinsen bis zum Jahresende stabil bleiben werden. Doch wie wahrscheinlich ist eine Zinserhöhung im Juni wirklich?
Die Inflation in der Schweiz ist in den letzten Monaten im Vorjahresvergleich leicht gestiegen. Im Februar 2026 lag sie bei 0.1 Prozent, im März bei 0.3 Prozent und im April bei 0.6 Prozent. Dieser Anstieg ist vor allem auf höhere Energie- und Importpreise zurückzuführen, während die inländische Inflation weitgehend stabil geblieben ist. Höhere Energiepreise werden die Inflation in der Schweiz zwar leicht ansteigen lassen, aber der Einfluss bleibt im Vergleich zur Eurozone begrenzt. Da Energie im Schweizer Konsumentenpreisindex nur ein geringes Gewicht hat, ist die Schweiz weitgehend vor starken Energieschocks geschützt.
Sollte die Strasse von Hormus weiterhin blockiert bleiben, könnten die Energiepreise zwar weiter steigen und möglicherweise Zweitrundeneffekte auslösen; bislang gibt es jedoch keine Anzeichen für eine solche Entwicklung. Rückblickend lag die durchschnittliche Inflation zwischen April 2025 und März 2026 bei lediglich 0.1 Prozent. Die durchschnittliche Inflation für 2026 und 2027 wird auf 0.6 Prozent geschätzt, was weiterhin in der unteren Hälfte des SNB-Zielbereichs von 0 bis 2 Prozent liegt. Die SNB dürfte den jüngsten Anstieg daher eher als eine willkommene Normalisierung von sehr niedrigen Inflationsniveaus betrachten, anstatt als Beginn einer dauerhaften Inflationsphase.
Trotz anhaltend hoher Unsicherheiten entwickelt sich die Schweizer Wirtschaft bislang robust. Das Wachstum bleibt jedoch moderat: Im ersten Quartal 2026 stieg das Bruttoinlandprodukt um ein halbes Prozent. Da das Wirtschaftswachstum verhalten bleibt und globale Unsicherheiten die Aussichten dämpfen, gibt es für die SNB derzeit wenig Druck, den Leitzins von aktuell null Prozent anzuheben. Auf Basis der aktuellen Datenlage ist eine Zinserhöhung im Juni deshalb unwahrscheinlich.