Wenn die Energiepreise steigen, hat das oft eine Kettenreaktion zur Folge: Höhere Transportkosten verteuern viele Güter des täglichen Bedarfs, von Lebensmitteln bis hin zu Konsumgütern. In Regionen, die stark von fossilen Brennstoffen abhängig sind, wie etwa Asien, verstärkt sich dieser Effekt, da die Energiepreise direkt und indirekt auf die Konsumentenpreise durchschlagen. Die Zentralbank in Singapur sah sich beispielsweise bereits gezwungen, mit einer ersten Zinserhöhung gegenzusteuern, um die Teuerung einzudämmen. In der Schweiz bleibt die Lage bemerkenswert stabil, und die Schweizerische Nationalbank (SNB) zeigt sich gelassen. Die aktuelle Datenlage zeigt die Sonderrolle der Schweiz, die sie vor den Auswirkungen der Energiekrise weitgehend schützt.
Im Gegensatz zu anderen Ländern ist die Schweiz weniger anfällig für Schwankungen der Energiepreise. Das liegt vor allem an zwei strukturellen Vorteilen. Erstens verfügt die Schweiz über einen unabhängigeren Energiemix: Ein Grossteil der inländischen Elektrizität wird durch Wasserkraft und Kernenergie erzeugt. Im Gegensatz zu Ländern, die stark auf Gas- oder Kohleverstromung angewiesen sind, werden gestiegene Energiepreise also weniger stark durchgereicht. Auch Benzin spielt im Budget von Schweizer Haushalten eine geringe Rolle. In einem durchschnittlichen Schweizer Haushaltsbudget von 100 Franken entfallen nur etwa 2 Franken auf Benzinkosten. Selbst wenn die Benzinpreise um 10 Prozent steigen, erhöht sich dieser Anteil lediglich um 20 Rappen – ein Anstieg, der im Gesamtbudget weniger ins Gewicht fällt, das minimiert die Auswirkungen von Energie-Preisschocks auf die Konsumentenpreise. In ländlicheren Regionen der USA können Benzinpreise hingegen bis zu 10 Prozent des Budgets ausmachen.
Prognosen deuten darauf hin, dass die Schweizer Teuerung im April 2026 bei etwa 0,5 Prozent liegen wird und bis zum Jahresende lediglich auf rund 0,6 Prozent ansteigt. Damit bleibt die Inflation hartnäckig am unteren Ende des von der SNB definierten Zielkorridors von 0 bis 2 Prozent. Die SNB steht somit nicht unter Handlungsdruck. Im Gegenteil: Das Risiko einer zu niedrigen Inflation wiegt derzeit schwerer als die Gefahr einer Überhitzung. Für Anlegerinnen und Anleger ist die entspannte Situation für die SNB ein positiver Indikator. Es ist nicht mit kurzfristigen Zinserhöhungen zu rechnen, was für Stabilität sorgt. Statt sich von den schwankenden Ölpreisen verunsichern zu lassen, sollte die Entwicklung des Schweizer Frankens im Auge behalten werden. Dieser bleibt aktuell der wichtigste Indikator für künftige Entscheidungen der SNB.