Update Notenbanken: Aufatmen bei den Zentralbanken.
Der Druck auf die Notenbanken nimmt ab. Das Abkommen zwischen den USA und Iran beruhigt die Finanzmärkte und verringert die Sorge vor weiter steigenden Energiepreisen. Die Zentralbanken reagieren dennoch unterschiedlich: Die EZB erhöht die Zinsen, während Fed und SNB vorerst abwarten.
Die Fed hat die Leitzinsen wie erwartet bei 3,50–3,75 Prozent belassen. Der neue Vorsitzende Kevin Warsh begründete die Entscheidung mit nur 130 Wörtern und liess damit Spielraum für Interpretationen. Trotz robustem Arbeitsmarkt senkte die Fed die Wachstumsaussichten für 2026. Die Inflation bleibt deutlich über dem Zielwert, weshalb die Inflationserwartung fürs laufende Jahr von 2,7 auf 3,6 Prozent angehoben wurde.
Die SNB hat die Leitzinsen ebenfalls belassen, auch wenn die geldpolitische Situation eine andere ist als in Amerika. Die Teuerung ist hierzulande wesentlich tiefer – eigentlich zu tief. Daran ändert auch der energiepreisbedingte Inflationsanstieg wenig. Die SNB liess den Leitzins bei null Prozent, was angesichts der stabilen wirtschaftlichen Lage der Schweiz keine Überraschung war. Laut der bedingten Inflationsprognose wird die Teuerung in den kommenden Quartalen zunächst moderat ansteigen, bevor sie in der ersten Jahreshälfte 2027 voraussichtlich wieder leicht zurückgeht. Dieser Rückgang wird erwartet, da die Effekte der gestiegenen Energiepreise im Laufe der Zeit nachlassen dürften. In diesem Szenario wird nicht mit einer weiteren Eskalation im Nahen Osten gerechnet.
Die Lage für die Notenbanken bleibt herausfordernd: Die Inflation wird in den grossen Wirtschaftsräumen dieses und nächstes Jahr zu hoch sein. Das Wachstum fällt aber nur moderat aus. Die Bevölkerung spürt so gleichzeitig höhere Preise, teurere Kredite und ein schwächeres Wirtschaftsumfeld. Das drückt auf Kaufkraft, Konsum und finanzielle Sicherheit. Die Notenbanken wollen den Fehler von 2022 nicht wiederholen. Damals wurden sie kritisiert, zu spät auf die Inflation reagiert zu haben. Weitere moderate Zinserhöhungen zur Absicherung sind deshalb zwar möglich – allerdings eher durch die EZB als durch die Fed. Sinkende Energiepreise werden den Druck auf die Zinsen wieder verringern. Die Erwartungen des Finanzmarktes für das Zinsniveau in den Jahren 2027 und 2028 sind derzeit vermutlich zu hoch angesetzt. Die aktuellen Entwicklungen an den Rohstoffmärkten und die Entspannung geopolitischer Risiken dürfte den Notenbanken Spielraum verschaffen. Doch der Drahtseilakt zwischen anhaltender Inflation und schwachem Wachstum ist noch nicht vorbei.
Die SNB befindet sich in einer komfortablen Lage. Ihre grösste Herausforderung ist nicht eine zu hohe Inflation, sondern vielmehr das Risiko mittelfristig wieder sinkender Preise. Faktoren wie fallende Energiepreise, eine schwache wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone und der starke Franken könnten die Inflation wieder dämpfen. Zinssenkungen erscheinen jedoch unwahrscheinlich, da die SNB negative Zinsen vermeiden möchte. Stattdessen fokussiert sie sich auf Interventionen am Devisenmarkt, um den Franken zu stabilisieren. Während andere Zentralbanken mit hoher Inflation und schwachem Wachstum kämpfen, profitiert die Schweiz von einer stabilen Wirtschaft und niedrigen Inflationsraten. Unserer Meinung nach spricht deshalb vieles dafür, dass die Nullzinsen in der Schweiz noch länger Bestand haben könnten.