Die zunehmende Unsicherheit über die Dauer und das Ausmass möglicher Lieferunterbrechungen hat die Energiepreise deutlich ansteigen lassen: Der Preis für Rohöl ist von 72 US-Dollar unmittelbar vor Kriegsausbruch auf über 100 US-Dollar angestiegen. Für die wirtschaftlichen Auswirkungen ist dabei weniger der kurzfristige Preissprung entscheidend, sondern vielmehr die Frage, wie lange das erhöhte Preisniveau bestehen bleibt. Eine länger andauernde Phase hoher Energiepreise könnte den Inflationsdruck wieder verstärken und damit auch die geldpolitischen Spielräume der Notenbanken beeinflussen. Die Staaten würden in diesem Fall mit einem Preisdeckel reagieren und so die Wirtschaft schützen.
Auch andere Rohstoffmärkte zeigen bereits Auswirkungen der aktuellen Lage. Während konjunktursensitive Industriemetalle wie Kupfer stärker auf Wachstumserwartungen reagieren, verteuerten sich insbesondere energieintensive Metalle wie Aluminium. Rund zehn Prozent der globalen Aluminiumproduktion werden über die Strasse von Hormus transportiert. Einschränkungen im Schiffsverkehr sorgen daher auch hier für Preisschwankungen. Kurzfristig profitieren davon Rohstoff- und Energietitel. Langfristig könnten auch alternative Energieformen an Bedeutung gewinnen, da viele Länder ihre Energieversorgung unabhängiger von Gas und Öl gestalten wollen.
Die Finanzmärkte reagieren auf die Eskalation mit einer klassischen «Risk-off»-Bewegung: Globale Aktienmärkte gaben nach. Besonders deutlich fällt die Korrektur in energieintensiven Regionen wie Asien, Europa und einigen Schwellenländern aus. Vergleichsweise stabil zeigte sich hingegen der US-Aktienmarkt. Auch Aktien aus rohstoffreichen Volkswirtschaften wie Kanada oder Australien entwickelten sich robuster. Gleichzeitig suchten viele Investoren Sicherheit in liquiden Anlageklassen. Der US-Dollar und Franken werteten in der Folge auf.
Auch an den Anleihemärkten sind die Auswirkungen sichtbar. Die Renditen von Staatsanleihen stiegen parallel zu den Ölpreisen, da Investoren ihre Inflationserwartungen nach oben anpassen. Höhere Renditen wirkten sich kurzfristig negativ auf die Kurse bestehender Anleihen aus.
Geopolitische Spannungen sorgen regelmässig für Verunsicherung an den Finanzmärkten. Historische Erfahrungen zeigen jedoch, dass solche Ereignisse meist nur begrenzte Auswirkungen auf die langfristige Entwicklung der Aktienmärkte haben. Das globale ökonomische Fundament bleibt weiterhin gut. Wenn der Konflikt jedoch über Monate andauern würde, verschlechtert sich dieses Fundament. Anlegerinnen und Anleger sollten in der aktuellen Situation Ruhe bewahren, auch wenn die nächsten Tage schwierig bleiben. Denn an der Börse liegen die besten und die schlechtesten Tage oft eng beieinander.