Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die Zinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt – der Leitzins liegt nun bei null Prozent. Die Inflation in der Schweiz ist zuletzt ins Negative gerutscht: Damit ist das Ziel der Preisstabilität, wie es die SNB definiert, aktuell unterschritten. Entscheidend für diesen Rückgang waren internationale Disinflationstendenzen, die sich insbesondere in sinkende Energiepreisen durch günstiges Erdöl manifestieren. Zusätzlich sorgt die gestiegene Unsicherheit an den Finanzmärkten – vor allem ausgelöst durch die zunehmend protektionistische US-Handelspolitik – zu einer Aufwertung des Schweizer Frankens. Das macht importierte Güter günstiger und dämpft die Inflation weiter.
Die aktuelle Zinssenkung ist daher als Reaktion auf das gesamtwirtschaftliche Umfeld zu verstehen. Auch wenn mittelfristig weitere Zinssenkungen nicht ausgeschlossen sind, meinte SNB Präsident Schlegel, dass die Hürde, wieder in den Negativzinsbereich zu gehen, höher liege und dieser Schritt sehr genau abgewogen werden müsse. Dafür müssten wohl einschneidende Ereignisse eintreten – etwa eine plötzliche Rezession oder eine weitere, starke Aufwertung des Frankens. Solche Entwicklungen würden den geldpolitischen Spielraum der SNB einschränken und härtere Massnahmen rechtfertigen. Negativzinsen bringen nämlich einige unschöne Nebenwirkungen mit sich: verzerrte Anreize im Immobiliensektor, Belastungen für Pensionskassen und eine Schwächung der Altersvorsorge.