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Diversifikation im multipolaren Umfeld neu denken

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Sassalbo - Lago di Poschiavo
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Daniel Lüchinger, CIO: Im multipolaren Anlage-Umfeld genügt es für institutionelle Anleger nicht mehr, die USA kategorisch stärker zu gewichten. Gefragt sind eine breite Diversifikation, eine bewusste Steuerung von Konzentrationsrisiken und eine selektive Nutzung struktureller Renditetreiber.

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Die USA bleiben der qualitativ stärkste Einzelmarkt und verfügen ohne Zweifel über den effizientesten Kapitalmarkt der Welt. Dennoch spricht vieles dafür, dass die Phase der breit abgestützten US-Vorherrschaft auf Indexebene ihren Zenit überschritten hat. Der Grund liegt weniger in einer abrupten Verschlechterung der Qualität amerikanischer Unternehmen als in der Marktstruktur selbst. Die US-Börsen sind stark konzentriert, die Bewertungsprämien der grössten Wachstumsunternehmen bleiben hoch, und die Überrendite des Gesamtmarktes wurde in den letzten Jahren von wenigen Titeln getragen. Genau diese Kombination macht passive Übergewichte in US-Aktien anfälliger.

Für institutionelle Anleger ist deshalb entscheidend, zwischen der Attraktivität einzelner US-Unternehmen und der Konstruktion des Gesamtmarktes zu unterscheiden.

Diversifikation über Risikofaktoren
Gerade in Krisen können die Korrelationen zwischen den Anlageklassen stark ansteigen. Die Graubündner Kantonalbank strebt daher eine effektive Diversifikation der Risiken an und verwendet für die Optimierung der Anlagestrategie Risikofaktoren. Durch diese Sicht werden auch versteckte Risiken erkenn- und steuerbar. Wir betrachten insbesondere zwei Hauptrisikofaktoren: Aktien- und Zinsrisiken. Ergänzt werden diese durch drei Nebenfaktoren: Kredit, Rohstoffe und Währungen. Die Risikofaktoren bilden die Basis zur Erarbeitung der Strategischen Asset Allocation. Diese Sichtweise erlaubt ein Erkennen, eine Aggregation und ein Steuern von anlageklassenübergreifenden Risikotreibern
Diversifikation als aktiver Renditehebel

In einem multipolaren, geopolitisch unsicheren Umfeld erlebt die Bedeutung der Diversifikation eine Art Renaissance. Diese Entwicklung ist Ausdruck eines tiefergehenden Regimewechsels. Die Weltwirtschaft wird politischer, regionaler und fragmentierter.

Damit steigen die Opportunitätskosten eines einseitig US-zentrierten Portfolios. Wer sich zu stark auf einen Markt, wenige Titel oder ein einziges Wachstumsnarrativ stützt, läuft Gefahr, strukturelle Verschiebungen zu spät zu erkennen. Eine breitere Allokationslogik über Regionen, Faktoren, Themen und Währungen gewinnt damit an Bedeutung.

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Weniger USA und weniger Klumpenrisiko

Globale Entwicklungen zeigen, dass die starke Vormacht der USA bröckelt, langjährige Partnerschaften hinterfragt werden und die Schwellenländer an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig verfügt die USA über die innovativsten Unternehmen und den tiefsten Kapitalmarkt. Aus der Diagnose folgt somit kein pauschales Votum gegen US-Aktien. Gerade die grossen, mehrheitlich in den USA kotierten Technologiekonzerne beispielsweise sind von der Hauptthese nur eingeschränkt betroffen. Ihre Marktstellung, Bilanzqualität und strukturelle Ertragskraft unterscheiden sie deutlich vom breiten Index. Das gilt umso mehr in geopolitischen Stressphasen oder bei steigenden Energiepreisen. Solche Episoden zeigen regelmässig, dass margenstarke Technologietitel weniger stark betroffen sind als energieintensive, importabhängige Sektoren und Regionen.

Dieser Punkt ist für die Einordnung zentral: Das Ende des US-Exzeptionalismus verläuft nicht linear. Die sogenannten «Magnificent 7» können sich zeitweise der übergeordneten These entziehen. Ihre Dominanz, ihre Innovationskraft und ihre Fähigkeit, hohe Investitionen im Bereich Künstliche Intelligenz operativ und bilanziell zu tragen, machen sie zu einem Sonderfall. Diversifikation heisst deshalb nicht «Sell America», sondern «Buy less America». US-Qualität soll demnach nicht aufgegeben werden, jedoch sollen die Konzentrationsrisiken auf Indexebene reduziert, global breiter diversifiziert und die Liquidität an den Finanzmärkten enger im Blick behalten werden. Nicht zuletzt geht es auch darum, das US-Dollar-Risiko zu reduzieren.

Strategische Prämien der Zukunft
Mittelfristig spricht vieles dafür, das Engagement in entwickelten Märkten ausserhalb der USA und in ausgewählten Emerging Markets wieder bewusster aufzubauen. Europa bleibt strukturell gefordert, doch gerade deshalb können positive Überraschungen stärker auf Bewertungen wirken als in bereits hoch bewerteten Märkten. Schwellenländer profitieren selektiv von Reformdynamik, Demografie, Rohstoffen oder ihrer Rolle in neuen Technologie- und Lieferketten.
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Auf der Faktorebene gewinnen Quality und Value ausserhalb der USA sowie Small- und Mid-Caps an Bedeutung. Thematisch bleiben Künstliche Intelligenz, Elektrifizierung, Netzinfrastruktur, Automatisierung, Cybersecurity und kritische Rohstoffe zentrale Bereiche. Interessant sind dabei auch Zweitrundeneffekte: Rechenzentrumsbau, Versorger und Industrieautomation profitieren indirekt von denselben Investitionszyklen.

Chancen liegen vor allem im technologisch getriebenen Produktivitätsanstieg und einer adaptiven Arbeitsmarktgestaltung durch KI. Auf der Risikoseite stehen geopolitische Spannungen, fragmentierte Handelsbeziehungen sowie demografische Hemmnisse. Das zu erwartende «higher for longer»-Szenario – höhere Inflation, Zinsen und Wachstum über längere Zeiträume – stellt Investoren und politische Entscheidungsträger vor neue Herausforderungen, erfordert aber auch angepasste Strategien bei Risikomanagement, Investment und Fiskalpolitik.

Implikationen aus Portfoliosicht

Für die Portfolioarchitektur ergibt sich daraus ein klares Bild: Auf der Aktienseite sollten institutionelle Investoren ihre US-Quote nicht reflexartig abbauen, wohl aber die Konzentrationsrisiken auf Indexebene systematisch überprüfen. Sinnvoll erscheint eine stärkere Differenzierung zwischen breit passivem US-Exposure und selektivem Engagement in marktmächtigen Qualitäts- und Technologietiteln. Ergänzt werden sollte dies durch einen gezielten Ausbau nicht-US-amerikanischer Prämienquellen.

Auf der Obligationenseite gewinnen hochwertige Staatsanleihen und aktives Laufzeitenmanagement wieder an Bedeutung. Alternative Anlagen bleiben strategisch relevant – vor allem dort, wo reale Investitionszyklen ansetzen: Infrastruktur, Energie, Netze und ausgewählte Private Assets. Und das Währungsmanagement wird wichtiger. In einer multipolaren Welt verlaufen Kapitalflüsse unruhiger, politische Schocks wirken direkter auf Wechselkurse, und die Rendite globaler Portfolios wird stärker von Währungsentscheidungen mitgeprägt.

Die zentrale Konsequenz lautet somit: Wer sich strategisch optimal positionieren will, muss sich von der Vorstellung lösen, dass ein hohes US-Gewicht bereits eine hinreichende Antwort auf die grossen Fragen der Kapitalanlage darstellt. Künftig wird nicht das höchste Benchmark-Gewicht belohnt, sondern die bessere Portfoliokonstruktion. Jenseits der US-Dominanz entstehen Chancen dort, wo Diversifikation gezielt mit strukturellen Trends, Faktorprämien und konsequenter Titelselektion verbunden wird.

Dieser Artikel erschien am 02.05.2026 als Fachbeitrag in der FuW-Sonderbeilage «Institutionelles Anlegen».

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Spektakel am Himmel, Sonnenuntergang im Oberengadin im Herbst
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