Bevölkerungsszenarien Kanton Graubünden: Trendwende in Sicht?
Die demografische Entwicklung dürfte mittel- bis langfristig zu Veränderungen bei der Nachfrage und den Wohnbedürfnissen am Bündner Immobilienmarkt führen. Das Bundesamt für Statistik hat dazu drei Szenarien berechnet, die auf Annahmen zur Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit sowie zur Ein- und Auswanderung basieren. Im Referenzszenario «mittel» wird von einer stagnierenden Bevölkerungsentwicklung ausgegangen, bevor die Einwohnerzahl ab dem Jahr 2044 rückläufig sein dürfte. Damit könnte langfristig auch die Nachfrage nach Wohnraum wieder abnehmen.
Veränderung der Altersstruktur im Kanton Graubünden (2025 und 2055)
Der Vergleich der Alterspyramiden von 2025 und 2055 gemäss dem Szenario «mittel» verdeutlicht die fortschreitende Alterung der Bündner Bevölkerung. Die geburtenstarken Jahrgänge der Jahre 1950 bis 1970 erreichen zunehmend das Pensionsalter. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Bevölkerung zwischen 0 und 40 Jahren deutlich ab, während jener der über 65-Jährigen markant zunimmt. Diese Verschiebung der Altersstruktur dürfte sowohl für die kantonale Wirtschaft, insbesondere im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel, als auch für den Immobilienmarkt und die künftigen Wohnbedürfnisse spürbare Auswirkungen haben.
Geburten und Todesfälle im Kanton Graubünden (1970 bis 2055)
Die natürliche Bevölkerungsentwicklung im Kanton Graubünden lässt sich in drei Phasen unterteilen. Vor der Jahrtausendwende verzeichnete der Kanton einen deutlichen Geburtenüberschuss. Zwischen 2000 und 2019 hielten sich Geburten und Todesfälle weitgehend die Waage. Seit dem Jahr 2019 übersteigt die Zahl der Todesfälle jedoch jene der Geburten. Gemäss dem Referenzszenario dürfte sich diese Differenz in den kommenden Jahren weiter vergrössern, was mittel- bis langfristig zu einem Rückgang der Wohnbevölkerung führen könnte.
Altersstruktur Kanton Graubünden und Regionen (2025)
Die Altersstruktur der Bevölkerung unterscheidet sich innerhalb des Kantons deutlich von Region zu Region. Den höchsten Anteil an jungen Einwohnerinnen und Einwohnern unter 20 Jahren weist die Region Imboden mit 20.2 % auf und liegt damit als einzige Bündner Region über dem schweizweiten Durchschnitt von 19.9 %. Am tiefsten fällt dieser Anteil in der Region Albula aus, wo lediglich 15.1 % der Bevölkerung jünger als 20 Jahre sind. Gleichzeitig verzeichnen die Regionen Bernina mit 28.6 % sowie Albula mit 27.8 % den höchsten Anteil an Personen im Alter von 65 Jahren und älter.
Veränderung Bevölkerungsanteil 65 Jahre und älter, 2010 – 2025 (in %-Punkten)
Die Altersgruppe der über 65-Jährigen nimmt in sämtlichen Bündner Regionen weiter zu. Zwischen 2010 und 2025 verzeichnete die Region Engiadina Bassa/Val Müstair den stärksten Anstieg dieses Bevölkerungsanteils. Auch in den Regionen Maloja, Albula und Surselva zeigt sich eine deutliche Zunahme. Vergleichsweise moderater fiel die Entwicklung hingegen in den Regionen Plessur und Moesa aus.
Veränderung Bevölkerungsanteil nach Alters gruppe, 2010 – 2025 (in %-Punkten)
Der Anteil der Bevölkerung im Erwerbsalter zwischen 20 und 64 Jahren ist in den vergangenen 15 Jahren in nahezu allen Bündner Regionen zurückgegangen. Eine Ausnahme bildet die Region Moesa, die aufgrund einer starken Zuzugsdynamik aus der Region Bellinzona eine leichte Zunahme von 0.4 Prozentpunkten verzeichnete. Selbst bei einer anhaltenden Zuwanderung dürften künftig neue Arbeitsmodelle sowie flexiblere Pensionierungslösungen erforderlich sein, um den Herausforderungen dieser Entwicklung angemessen zu begegnen.