Die Wirtschaft in den USA kühlte sich im letzten Quartal 2025 stärker ab als erwartet. Das Wachstum bleibt intakt und das Niveau im globalen Vergleich attraktiv. Die Vorlaufindikatoren präsentieren sich nach wie vor robust. Am Arbeitsmarkt lassen sich gewisse Schwächesignale erkennen, die Abkühlung verläuft aber graduell. Die Inflation ist rückläufig, befindet sich jedoch noch über dem Zielband der US-Notenbank Fed. In ihrem jüngsten Zinsentscheid belässt die Fed die Zinsen erwartungsgemäss in der Spanne von 3.5 bis 3.75 Prozent.
In der Eurozone sind mit Blick auf das Wirtschaftswachstum erste zaghafte Effekte der Konjunkturpakete ersichtlich (beispielsweise in Deutschland). Die Inflation liegt um den Zielbereich von 2 Prozent, wobei der Krieg im Iran diesbezüglich ein Risiko darstellt. Die Europäische Zentralbank (EZB) befindet sich im Spannungsfeld zwischen Wachstum- und Inflationsentwicklung. An ihrer letzten Zinssitzung beliess die EZB ihren Leitzins stabil – signalisierte aber höchste Wachsamkeit.
In der Schweiz wird das Wachstum 2026 im Bereich von 1 Prozent liegen. Die Inflation bleibt weiterhin sehr tief. Dies stützt die Kaufkraft der privaten Haushalte. Aufgrund der gestiegenen Energiepreise sind die Deflationssorgen zuletzt deutlich gesunken. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) liess ihren Leitzins wie erwartet bei null Prozent. Um den Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken abzufedern, setzt sie verstärkt auf Deviseninterventionen statt auf Zinsschritte.
Für China wird mittelfristig ein robustes Wachstum von 4.5 bis 4.8 Prozent erwartet. In diesem «New Normal»-Zustand ist das Ziel von 5 Prozent ausser Reichweite. Die anhaltende Schwäche im Immobiliensektor sowie die hohe Staats- und Unternehmensverschuldung bremsen das Wachstum. Trotz deflationärer Tendenzen und einer schwachen Inlandnachfrage hält die chinesische Zentralbank die Leitzinsen stabil.
Der Krieg zwischen den USA und Iran ist eine humanitäre Katastrophe – und bringt zudem wirtschaftliche Folgen mit sich. Wir erwarten keinen geopolitischen «Flächenbrand». Russland und China halten sich zurück. China priorisiert die Sicherung der Handelswege (Strasse von Hormus) vor der Unterstützung des Irans. Gleichzeitig fehlen dem Iran moderne Technik und logistische Rückendeckung für eine Eskalation – intern ist das Regime durch die eigene Bevölkerung massiv unter Druck. Das eigentliche Risiko für die Finanzmärkte ist denn auch nicht der Krieg an sich, sondern der daraus resultierende Aufwärtsdruck auf die Energiepreise und US-Zinsen, also eine steigende Inflation. Gleichzeitig sind die US-Börsen in guter Verfassung und die Notenbanken fungieren als Sicherheitsnetz. Bei grösseren Marktturbulenzen ist davon auszugehen, dass die Zentralbanken stützend eingreifen.