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Globale Wirtschaft hat Talsohle im 2. Quartal durchschritten.

Datum: 10.07.2020 
Autor: David Gartmann

Die Talsohle scheint durchschritten, die globale Konjunktur nimmt wieder Fahrt auf. Zwar sind Produktion, Handel und Verkehr bei weitem noch nicht wieder auf Vorkrisenniveau. Die Massnahmen der global wichtigen Notenban-ken und der Regierungen auf die Corona-Pandemie zeigen die erhoffte Wirkung. Wir rechnen ab der 2. Jahreshälfte bis weit ins Jahr 2021 mit einem moderaten wirtschaftlichen Aufwärtstrend. In den meisten Regionen dürfte die Wirtschaftsleistung aber das Vorkrisenniveau nicht vor 2022 erreichen.

David Gartmann 

David Gartmann, Leiter Business Development

 

Das laufende Anlagejahr wird uns allen als ein denkwürdiges im Gedächtnis bleiben - so viel ist jetzt schon klar. Im Januar sah es so aus, als würde 2020 geprägt sein von einer schwächeren Wirtschaft und weiterhin grosszügiger Zentralbankunterstützung. Insgesamt ein relativ ruhiges Börsenjahr, gespickt durch erhöhte Volatilität aufgrund des absehbaren Unsicherheiten der US-Wahl. Dann kam Corona. Jetzt ist aus der schwächeren Wirtschaft ein beispielloser Einbruch geworden, aus der Zentralbank-unterstützung die grösste «Whatever-it-takes»-Aktion aller Zeiten, und die Volatilität ist immer noch mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der letzten Jahre. Und das, obwohl die US-Wahl bisher eher im Hintergrund mitgelaufen ist.

Die globalen Aktienmärkte haben sich nach dem Einbruch im März zum Erstaunen vieler Experten schnell wieder erholt.

  
Aktienmärkte


Angesichts der grossen Unsicherheiten, welche von der Corona-Krise ausgegangen sind, hätten nur wenige Anleger darauf gewettet, dass die globalen Aktienmärkte den grössten Teil der im ersten Quartal erzielten Verluste wiederum wettmachen werden. Der US-Aktienmarkt liegt mittlerweile wieder mehr als 30 Prozent über dem Tiefpunkt vom März 2020. Technologiewerte verzeichnen seit Jahresanfang sogar eine positive Entwicklung. Auch Schweizer Aktien notieren mehr als 20 Prozent über den Tiefstständen. Obligationenanleger wurden für die anfangs des zweiten Quartals eingegangenen Risiken belohnt.

 Anlageklassen

    

Haben Anlegerinnen und Anleger mittlerweile die Realität aus den Augen verloren?
Wir sind klar der Meinung, dass dies nicht der Fall ist. Die billionenschweren Geldspritzen der Notenbanken und staatlichen Konjunkturprogramme machten berechtigte Hoffnung, dass die Krise zeitlich begrenzt sein wird. Die Dimension der Anleihekaufprogramme und Konjunkturpakete ist einzigartig. Sie sichern die Kurse nach unten ab. Die Märkte nehmen aktuell eine erhoffte Konjunkturerholung vorweg. Erste Hoffnungssignale lieferten dabei konjunkturelle Frühindikatoren und robuste Daten aus China. Optimisten vergleichen die Situation mit einem ultralangen Wochenende. Wie die Angestellten nach einer langen Pause in die Büros zurückkommen und wieder arbeiten wie vorher, so werde auch die Wirtschaft nach dem Einbruch im ersten Halbjahr rasch wieder zur Normalität zurückkehren.

 

Kurspotenzial dürfte kurzfristig limitiert sein
Ob das für eine Fortsetzung der zügigen Erholung an den Aktienmärkten und anderer risikobehafteter Anlagen reichen wird, ist umstritten und dürfte massgeblich vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie, der weiteren Entwicklung der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China und dem Ausgang der US-Wahlen abhängen.

Ein erster Hinweis für die mögliche weitere Entwicklung der Aktienmärkte wird die Berichtsaison liefern, welche in den USA Mitte Juli starten wird. Einerseits werden die Marktteilnehmer genau auf die Gewinnentwicklung der Firmen schauen. Für das Gesamtjahr wird ein Rückgang um gut einen Fünftel erwartet. Daten, die auf eine stark davon abweichende Entwicklung deuten, dürften sich in entsprechenden Kursbewegungen spiegeln. Andererseits warten die Investoren mindestens so gespannt auf den Ausblick, den die Unternehmen geben werden.

Sollten sich die aktuellen Erwartungen als zu optimistisch herausstellen, sehen wir aber keine allzu grosse Gefahr eines neuerlichen Absturzes. Im Umgang mit dem Virus haben die Staaten weltweit Fortschritte gemacht, so dass man eher mit lokalen Massnahmen rechnen muss, sollte es zu der befürchteten zweiten Welle kommen. Die generelle Erholung der Wirtschaft ist unserer Meinung nach dadurch nicht gefährdet. Sollte sich die Hoffnung auf eine zügige Konjunkturerholung bestätigen, könnte es zwar kurzfristig zu Gewinnmitnahmen kommen. Mittelfristig dürfte das die Kurse aber stützen.

 

Rückkehr der Wirtschaftsleistung auf Vorkrisenniveaus nicht vor 2022
Trotz der wirtschaftlichen Erholung und einer Eindämmung der Corona-Pandemie in der EU bleiben die konjunkturellen Risiken weiterhin hoch. Während in vielen Ländern Südamerikas und Afrikas die erste Infektionswelle weiter an Dynamik gewinnt, beginnt in Asien eine zweite (bisher besser lokalisierbare Welle), und in den USA führen die Massenproteste gegen soziale Ungleichheit zu einer Verlängerung der ersten Welle.

Da es trotz Fortschritten auf absehbare Zeit keinen Impfstoff geben wird, bleiben weltweit für längere Zeit verschärfte Hygiene- und Abstandsregeln in Kraft, die sich dämpfend auf die Konjunktur auswirken. Aufgrund der Risiken über den Verlauf der Pandemie bleibt der Konjunkturausblick daher von grosser Unsicherheit geprägt. Zeitverzögert wird die COVID-19 Krise auch noch substanzielle negative Auswirkungen in den Unternehmensbilanzen haben, die oftmals zu Rückstufungen der Bonität und in Teilen auch zu Insolvenzen führen dürften. Mit zunehmenden Zweifeln an seiner Wiederwahl dürfte US-Präsident Trump zudem aussenpolitisch den Ton vor allem gegenüber China verschärfen. In Europa dürfte im Herbst der Brexit erneut auf der Tagesordnung stehen. In den meisten Regionen wird die Wirtschaftsleistung insgesamt das Vorkrisenniveau nicht vor 2022 erreichen.

 

Fazit
Die Dynamik der Erholung an den Märkten hatte Mitte Juni zunächst nachgelassen. Konnte im April und Mai der breite Markt profitieren, scheinen die Markteilnehmer zunehmend die Zukunftsfähigkeit der einzelnen Unternehmen stärker zu differenzieren. Angesichts der massiven wirtschaftlichen Stützungsmassnahmen und der Stabilisierung der Aktienmärkte raten wir, die Positionierung in Aktien beizubehalten. Die Daten der Realwirtschaft und die Unternehmensergebnisse werden vorerst noch schwach ausfallen und sich im zweiten Halbjahr 2020 nur graduell erholen. Wir empfehlen, Aktien neutral zu gewichten und das Portfolio insgesamt etwas zyklischer auszurichten. Unternehmensanleihen und als Beimischung ein Anteil an Hochzinsanleihen bringen Renditepotenzial ins Portfolio, weil die Zentralbanken weiterhin grosszügig sein werden.




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