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Wann wird der Schweizer Franken wieder steigen?

Datum: 23.05.2022 

​Rück-& Ausblick zu den Börsenmärkten. Kommentiert von Adrian Schneider, Leiter Investment Center der Graubündner Kantonalbank.


«Die SNB wird ihre Geldpolitik mittelfristig straffen müssen.»

Die Finanzmärkte haben einen schwierigen Start in das Jahr 2022 erlebt. Der Krieg in der Ukraine hat dazu geführt, dass die Energiepreise und die Inflationsraten weiter gestiegen sind. Dies wiederum liess die Zinserwartungen ansteigen und die Obligationenpreise sind entsprechend gesunken.

Die Unsicherheit über die zukünftige Geldpolitik der Notenbanken und die Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung haben an den Aktienmärkten Spuren hinterlassen. Besonders stark gesunken sind die Kurse von Wachstumstiteln, wie beispielweise Netflix, Amazon oder Lonza und Partners Group im Schweizer Markt. Die Aktienmärkte rund um den Globus notieren heute deutlich tiefer als noch zu Jahresbeginn.

Dass sich Obligationen und Aktien gleichzeitig so stark negativ entwickeln wie in den ersten bald fünf Monaten des Jahres ist ein seltenes Szenario, welches in diesem Umfang noch nie vorgekommen ist.

In einem Umfeld hoher Unsicherheit würde man erwarten, dass sich der Schweizer Franken besser entwickelt als andere Währungen. Hier lohnt sich ein Blick auf den handelsgewichteten Schweizer Franken. Dieser widerspiegelt die Entwicklung des Frankens gegenüber anderen Währung, gewichtet anhand ihres Handelsanteils. Dieser zeigt jedoch ein anderes Bild. Er hat nämlich seit Jahresbeginn rund zwei Prozent eingebüsst. Der Grund dafür liegt in der Entwicklung des US-Dollars. Dieser macht mit einem Anteil von 20 Prozent einen Fünftel des gesamten Handelsanteils aus und der Schweizer Franken hat gegenüber dem US-Dollar seit Jahresbeginn über sechs Prozent eingebüsst. Dafür gibt es drei Gründe:

Geldpolitik: Im Gegensatz zu der US Notenbank Fed und der europäischen Zentralbank (EZB) ist die Schweizer Nationalbank (SNB) hinsichtlich möglicher Leitzinserhöhungen zurückhaltender. Die Fed hat die Leitzinsen bereits erhöht und auch die EZB wird dies in den nächsten Monaten tun.

Interventionen am Währungsmarkt: Die Sichteinlagen bei den Geschäftsbanken zeigen, dass die SNB weiterhin am Währungsmarkt interveniert und so den Schweizer Franken aktiv abschwächt. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine verhindert die SNB so weiteren Druck auf die Schweizer Wirtschaft.

Bestehende Zinsdifferenz im Markt: Die weiterhin expansive Geldpolitik und die zurückhaltende Kommunikation in Bezug auf den geldpolitischen Ausblick der SNB führen zu einer hohen Zinsdifferenz zwischen festverzinslichen Anlagen in Schweizer Franken und denjenigen in US-Dollar. Das wiederum begünstigt Anlagen in Fremdwährungen mit steigenden Zinskurven und schwächt Zuflüsse in den Schweizer Franken.

Wir gehen davon aus, dass sich der Schweizer Franken aufgrund der expansiveren Geldpolitik der SNB und den Interventionen am Devisenmakrt kurzfristig weiterhin schwach entwickeln wird. Mittelfristig wird aber auch die SNB ihre Geldpolitik straffen müssen, was dem Franken neue Stärke verleihen wird.




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