Es ist vorbei…

«Die Zeit der Negativ- respektive Niedrigzinsen ist definitiv Geschichte.»

Datum: 25.07.2022 

​Die Europäische Zentralbank EZB hat letzte Woche das Ende der Negativzinsen im Euroraum bekannt gegeben. Entgegen früherer Ankündigungen hat sich der EZB-Rat dazu entschlossen, die Zinsen im Euroraum um 0.5 Prozent anzuheben. Damit liegt der Einlagezinssatz im Euroraum nun bei null Prozent und somit erstmals seit acht Jahren nicht mehr im negativen Bereich.

Adrian Schneider

Ausschlaggebend für die Zinserhöhung waren auch für die EZB die hohen Inflationszahlen. Diese sind nämlich auf den höchsten Stand seit der Existenz der Eurozone geklettert. Die Notenbankchefin Christine Lagarde verwies an der Pressekonferenz vom letzten Donnerstag darauf, dass dieser Schritt als Beschleunigung des Zinsanhebungszyklus zu verstehen und kein Hinweis auf ein grösseres Ausmass an Leitzinserhöhungen im Rahmen des Erhöhungszyklus sei. Im Klartext heisst das, dass die EZB die Zinsen zwar schneller aber insgesamt nicht stärker erhöhen will als dies heute erwartet wird. Der Markt erwartet, dass die Leitzinsen bis im April 2023 auf 1.25 Prozent erhöht werden, bevor diese dann stagnieren. In der Schweiz rechnet der Markt ebenfalls mit weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr, so dass der Leitzins per Ende Jahr bereits bei 0.75 Prozent liegen dürfte. Damit ist auch hierzulande die Zeit der Negativzinsen bald passé.

Nebst den Zinserhöhungen wurde von der EZB ein neues geldpolitisches Instrument vorgestellt: Das «Transmission Protection Instrument» - kurz TPI. Damit will die EZB verhindern, dass die Zinsen in den Peripheriestaaten deutlich höher steigen als im Kern von Europa. Ziel ist es dadurch ein erneutes Aufkommen einer Eurokrise zu verhindern. Denn der Markt hat bereits begonnen deutlich höhere Zinsen von Peripheriestaaten wie Italien zu verlangen als vergleichsweise von Deutschland. Italien zahlt aktuell rund 2.3 Prozent mehr Zins für eine 10-Jährige Staatsanleihe.

Trotz einer stärker als erwarteten Zinserhöhung verhielt sich der Aktienmarkt stabil. Der Wille nun ebenfalls aktiv gegen die hohe Inflation vorzugehen wurde goutiert. Die Zinsen für Staatsanleihen stiegen über alle Laufzeiten kurz an - beendeten den Handelstag dann aber sogar tiefer. Dies ist auf den Umstand zurückzuführen, dass bei Anlegenden vermehrt Rezessionsängste in den Vordergrund rückten. Die von S&P Global durchgeführten Umfragen bei Einkaufsmanager in Europa, welche am Freitag publiziert wurden, bestätigten, dass die Ängste nicht unbegründet sind. Die sogenannten Einkaufsmanagerindizes, welche als zuverlässige Vorlaufindikatoren zur Wirtschaftslage gelten, sind auf die tiefsten Niveaus seit dem Frühjahr 2021 gefallen und deuten damit auf einen Rückgang der Wirtschaftsaktivität in Europa hin. Besonders im produzierenden Gewerbe besteht viel Pessimismus über die wirtschaftliche Situation. Während sich die Preise zu stabilisieren scheinen, führen die erhöhten Lebenshaltungskosten vermehrt zu tieferen Ausgaben, was die Wirtschaft in Europa nun deutlich zu bremsen scheint.

Diese Woche erwarten wir bereits die nächsten Zinserhöhungen von der US-Notenbank Fed, welche zwischen 0.75 und 1.00 Prozent liegen wird. Die Zeit der Negativ- respektive Niedrigzinsen ist damit definitiv Geschichte.



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