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Virusvariante und US Notenbank verunsichern

Datum: 06.12.2021 

​Die Unsicherheiten an den globalen Finanzmärkten haben sich in der letzten Woche spürbar erhöht. Sorgen bereiteten nebst der neuen Virusmutante Omikron auch die jüngsten Aussagen des Fed Präsidenten Jerome Powell. Erleben wir jetzt anstelle einer Jahresendrally einen Bärenmarkt für Aktien?

«Die Achterbahnfahrt dürfte sowohl am Aktien- als auch am Obligationenmarkt bis auf weiteres anhalten.»

 

 Sorgen bereiteten nebst der neuen Virusmutante Omikron auch die jüngsten Aussagen des Fed Präsidenten Jerome Powell. Der Chef der US-Notenbank sieht erhöhten Inflationsdruck und deutet eine Beschleunigung des bereits beschlossenen Taperings – also eine restriktivere Geldpolitik - an.

In den letzten Tagen legten die Aktienmärkte eine regelrechte Achterbahnfahrt hin und schlossen im Wochenvergleich mit einem Minus. Der Weltaktienindex verlor letzte Woche 1.3 Prozent. In den USA gaben die Kurse ähnlich stark nach (S&P 500 -1.2 Prozent). Die Technologie-Börse Nasdaq verlor mit Minus 2.6 Prozent deutlich stärker. In Europa und in den Schwellenländern hielten sich die Verluste in Grenzen. Auch der Schweizer Aktienmarkt gehörte mit einem Minus von 0.2 Prozent zu den vergleichsweise guten Aktienmärkten. Insgesamt hat die Flucht in sichere Anlagen auch letzte Woche angehalten. Die Renditen sind grösstenteils nochmal gesunken.

Durch die starken Schwankungen ist auch der Volatilitäts-Index für Aktien deutlich angestiegen. Dieser gilt an den Finanzmärkten als Fiebermesser und weist mit einem Wert von über 30 deutlich auf die gestiegenen Unsicherheiten hin. Die gute Nachricht ist - Panik ist nicht angezeigt. Zum Vergleich: In der Finanzkrise beispielweise stieg dieser Index auf über 80.

Über das Wochenende haben zudem die Kurse der Kryptowährungen deutlich korrigiert. So fiel etwa Bitcoin in der Spitze um über 20 Prozent. Daneben haben in der letzten Woche auch andere hoch spekulative Titel wie die sogenannten «Meme Stocks» stark an Wert verloren.

Mit Omikron, der  nach wie vor anhaltenden Inflation und einem schnelleren Tapering haben Anlegerinnen und Anleger einiges zu verdauen. Die Achterbahnfahrt dürfte demnach sowohl am Aktien- als auch am Obligationenmarkt bis auf weiteres anhalten. Die Entwicklungen der letzten Tage zeigen aber auch, dass die grosse Panik bis jetzt ausbleibt.

Es wird immer klarer, dass Corona die Gesellschaft und die Finanzmärkte auch im nächsten Jahr stark beschäftigen wird. Wir gehen aber davon aus, dass sich dadurch kein grundsätzlich anderes Konjunkturbild entwickeln wird. Wir erwarten daher eine graduelle Rückkehr zur Normalität. Virusmutationen schwächen sich im Zeitablauf ab. Das Wirtschaftswachstum fällt 2021 sowie im 2022 überdurchschnittlich aus. Anschliessend flacht der Wachstumstrend ab. Lieferengpässe bleiben kurzfristig bestehen, lösen sich mit der Zeit jedoch wieder auf. Damit erreicht die Inflation global Ende 2021 den zyklischen Höhepunkt. Eine strukturelle Veränderung der Inflationstreiber und damit eine längerfristig hohe Inflation erwarten wir indes nicht. Die Situation am Arbeitsmarkt verbessert sich in diesem Szenario kontinuierlich.

Die aktuell hohe Unsicherheit wird aber weiter für bewegte Aktienmärkte sorgen und rasche Aufwärtsbewegungen vorerst verhindern. Alles in allem halten wir aber weiterhin fest an Aktien.

 

 

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