Verschnaufpause an den Aktienmärkten

Datum: 26.04.2021 
Autor: Adrian Schneider

Die Europäische Zentralbank (EZB) bekräftigte letzte Woche ihre aggressive Geldpolitik. Die Notenbank sieht zwar eine Verbesserung der wirtschaftlichen Aussichten. Der unmittelbare Ausblick bleibe jedoch bewölkt, so die EZB. Das Pandemie-Notfallankaufprogramm von 1‘850 Milliarden Euro wird somit wahrscheinlich komplett ausgeschöpft bis ins Jahr 2022. In der Eurozone zeigten die jüngsten Umfragewerte von letzter Woche, dass die Wirtschaft trotz erneuten Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie auf Hochtouren läuft. Sowohl im Dienstleistungssektor als auch im produzierenden Gewerbe hält der Boom an. In den USA stehen die Umfragewerte der Einkaufsmanager sogar auf Rekordhöhen.

«Höhere Kapitalgewinnsteuern in den USA sind kein Party-Killer.»

 

Der erneute Anlauf zu neuen Höchstständen an den Aktienmärkten wurde am Donnerstag durch eine Meldung aus dem Weissen Haus unterbrochen. Joe Biden liess verkünden, die Kapitalgewinnsteuern für reiche Amerikaner von aktuell 20 Prozent auf neu 43.4 Prozent erhöhen zu wollen. Dass die Demokraten die massiven Fiskalpakete durch Steuererhöhungen finanzieren möchten, war seit dem Wahlprogramm von Joe Biden klar. Trotzdem folgte auf die Verkündung ein Abverkauf an den Aktienmärkten, da der Umfang der Erhöhungen einige Marktteilnehmer überraschte.

Die Historie zeigt jedoch, dass die Einführung höherer Kapitalgewinnsteuern höchstens einen temporären Effekt auf die Finanzmärkte hat. Erhöhen sich die Steuern für Kapitalgewinne, trennen sich Anlegerinnen und Anleger kurzfristig von Aktien, welche besonders gut gelaufen sind, bevor die Steuer erhöht wird. Viele Investorinnen und Investoren kaufen im Anschluss wieder nach. Dieses Verhalten konnte bereits in früheren Situationen, wie zuletzt im Jahr 2013, beobachtet werden. Längerfristig ist eine Steuererhöhung jedoch nicht korreliert mit der Entwicklung am Aktienmarkt, wie Analysen zeigen. Somit wird eine allfällige Steuererhöhung, sollte sie angenommen werden, die gute Stimmung an den Finanzmärkten nur kurzfristig unterbrechen und die Börsenparty nicht beenden.

Nicht nur in den USA legten die Aktienmärkte eine Verschnaufpause ein. Die meisten internationalen Börsenplätzte haben die letzte Woche mit leichten Verlusten abgeschlossen. Eine Ausnahme war der defensive Schweizer Markt. Dieser schloss die Woche mit +0.1 Prozent knapp im positiven Bereich ab. Verantwortlich für die Entwicklung der letzten Woche waren insbesondere die global steigenden Corona-Neuinfektionen, wobei die regionalen Unterschiede gross sind. Angetrieben wird dieser Anstieg von explodierenden Fallzahlen in Indien. Aber auch in anderen Ländern wie der Türkei oder in Argentinien gibt es lokale Ausbrüche zu beobachten. In Japan führte der starke Anstieg der Neuinfektionen zu einer neuerlichen Ausrufung des nationalen Notstandes. Die Japanische Börse wurde letzte Woche entsprechend überdurchschnittlich stark belastet (-2 Prozent), zumal die Impfung gegen COVID-19 in Japan noch in den Anfängen steht. In den USA hingegen verhindert die gut fortschreitende Durchimpfung der Bevölkerung einen Wiederanstieg der Neuinfektionen, trotz den jüngsten Öffnungsschritten der Wirtschaft.

 

 


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