Kann eine globale Rezession vermieden werden?

«Für eine nachhaltige Erholung an den Aktienmärkten müssten sich die Rezessions- und Inflationsängste deutlich vermindern.»

Datum: 27.06.2022 
Autor: Daniel Lüchinger

​Letzte Woche konnten die Aktienmärkte rund um den Globus deutlich zulegen. Dabei ging es vor allem für US Aktien stark aufwärts – ein Plus von 6.5 Prozent. Aber auch der Schweizer Aktienmarkt konnte mit 3.6 Prozent einen deutlichen Wochengewinn verbuchen. Aus unserer Sicht sind diese Kursgewinne vor allem Ausdruck dafür, wie stark die Aktienmärkte vorher korrigiert hatten und weniger eine fundamentale Neueinschätzung der konjunkturellen Aussichten. Nach den happigen Verlusten waren die Aktienmärkte gemäss verschiedener technischer Indikatoren zuletzt deutlich überverkauft. Eine gewisse Gegenbewegung war daher überfällig.

Daniel Lüchinger


Auch an den Obligationenmärkten, die in den letzten Wochen ebenfalls Verluste hinnehmen mussten, kam es zu einer Erholung. Die langfristigen Renditen entwickelten sich aufgrund der strafferen Geldpolitik seitens Notenbanken zur Bekämpfung der Inflation und der aufkommenden Rezessionsängste rückläufig. 

Für eine nachhaltige Erholung an den Aktienmärkten müssten sich die Rezessions- und Inflationsängste deutlch vermindern. Die Konjunkturdaten der vergangenen Woche geben dazu jedenfalls noch keinen Anlass. Im Gegenteil: Sie weisen auf eine deutliche wirtschaftliche Abkühlung hin, verzeichneten die viel beachteten Einkaufsmanagerindizes doch einen unerwartet starken Rückgang. Der wichtige Aktivitätsindikator der Einkaufmanager in den USA notiert aktuell auf dem tiefsten Wert seit Beginn der Corona-Pandemie und signalisiert nur noch ein knapp positives Wachstum. Gleichzeitig schrauben die Unternehmen auch ihre Erwartungen hinsichtlich der Wirtschaftsaussichten für die kommenden zwölf Monate weiter zurück. Einziger Lichtblick ist die Erkenntnis, dass mit dem Nachfragerückgang auch die Preise weniger rasch steigen und der Inflationsdruck vermutlich seinen Höhepunkt überschritten hat. 

Auch in Europa sieht die Lage nicht besser aus. In der Industrie waren Aufträge und Produktion sogar rückläufig. Insgesamt signalisieren die Einkaufsmanagerindizes nur noch ein bescheidenes Wachstum von 0.2 Prozent. Darüber hinaus hat sich auch die Stimmung der Konsumenten in der Eurozone auf tiefem Niveau weiter eingetrübt. Derart schlechte Umfragewerte wurden in der Vergangenheit nur während Rezessionen verzeichnet. Die Schweizer Wirtschaft bleibt laut der Konjunkturforschungsstelle KOF trotz der vorherrschenden Gegenwinde robust. Dies insbesondere dank des Inlandkonsums und der im Vergleich geringeren Inflationsrate. Für das Jahr 2022 wird für die Schweiz eine Inflationsrate von 2.6 Prozent erwartet. 

Die globale Wirtschaft schwächt sich also ab und die Notenbanken sind entschlossen die hohe Inflation mit Zinserhöhungen zu bekämpfen. Wir gehen weiterhin davon aus, dass eine globale Rezession vermieden werden kann, erwarten aber auch einige Quartale mit schwachem Wirtschaftswachstum. Die Risiken an den Aktienmärkten bleiben aufgrund der Unsicherheiten über die Inflationszahlen und des Kriegs in der Ukraine weiterhin hoch. Auf den aktuellen Niveaus nehmen die Aktienkurse aber eine deutlich schwächere Gewinnentwicklung der Unternehmen bereits vorweg.



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