GKB Postplatz

Verlangsamtes Wachstum, aber keine Rezession

Datum: 30.05.2022 

​Das Leben verändert sich dieser Tage nur allzuschnell. Prognosen von gestern wirken schon morgen überholt. An den Finanzmärkten macht sich dieser Umstand an den überdurchschnittlich hohen Schwankungen – auch als Volatilität bekannt – bemerkbar. Beispielhaft ist die Entwicklung der Aktienmärkte in der jüngsten Vergangenheit.


«Wir halten die Abwärtsrisiken am Aktienmarkt für begrenzt.»

Besonders gute und besonders schwache Tage reihten sich in den letzten Wochen oft aneinander. Anfang des Jahres führten vor allem die steigenden Zinsen nebst sinkenden Kursen bei Anleihen auch zu sinkenden Aktienkursen. In den letzten Wochen waren dann aber vor allem Wachstumssorgen Auslöser für weitere Kurskorrekturen.

Die zentrale Frage an den Finanzmärkten scheint damit klar: gelingt den Notenbanken die weiche Landung der Wirtschaft. Schaffen es die Notenbanken die Inflation in den Griff zu bekommen ohne gleichzeitig das Wachstum zu stark zu beeinträchtigen – also die Zinsen im richtigen Ausmass zu erhöhen. Oder handelt es sich bei der aktuellen Eintrübung des wirtschaftlichen Umfelds um den Anfang einer länger anhaltenden Rezession.

Die Antwort auf diese Frage ist für die weitere Entwicklung der Aktien- und auch Obligationenmärkte von höchster Relevanz. In Rezessionsphasen korrigierte zum Beispiel der US-Aktienmarkt vom Hoch bis zum Tiefpunkt im Durchschnitt um rund 30 Prozent. Der Kurstaucher in der aktuellen Phase beläuft sich in den USA aktuell auf 19 Prozent. Damit ist zwar noch keine Rezession in den Kursen eingepreist, aber doch einiges an wirtschaftlicher Ungemach vorweggenommen.

Das in der letzten Woche veröffentliche Protokoll der US Notenbank Fed bestätigt unsere Erwartung, dass die Zinsen in den USA an den beiden nächsten Sitzungen (im Juni und Juli) nochmals um 50 Basispunkte angehoben werden. Diesen Mittwoch startet die Fed zudem mit ihrem Bilanzabbau. Das aktuell robuste Wirtschaftsumfeld lässt eine restriktivere Geldpolitik zu. Damit stemmt sich die Notenbank weiterhin gegen die hohe Inflation. Jedoch nicht um jeden Preis. Auch innerhalb der Fed gibt es durchaus Stimmen, welche ab Herbst eine langsamere Gangart bevorzugen würden. Dies führte zu einer Entspannung bei den US Zinserwartungen und wurde an den Aktienmärkten entsprechend positiv aufgenommen.

Wir gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft in diesem und auch im nächsten Jahr weiter wachsen wird und eine Rezession vermieden werden kann. Aufgrund der starken Gegenwinde durch Krieg, Covid-Strategie von China oder auch der hohen Inflation wird das Wachstum allerdings schwächer ausfallen als erwartet. Wie eingangs erwähnt ist die wirtschaftliche Lage weiterhin ausgesprochen schwierig einschätzbar und von hohen Risiken geprägt. Wir halten die weiteren Abwärtsrisiken an den Aktienmärkten aber für begrenzt und die Renditen am Bondmarkt dürften nur noch wenig ansteigen.

 



Gemeinsam wachsen.