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USD/CHF-Kurs erreicht Parität.

Datum: 16.05.2022 

​Rück-& Ausblick zu den Börsenmärkten. Kommentiert von Daniel Lüchinger, Leiter Investment Solutions bei der Graubündner Kantonalbank.

Der US-Dollar profitiert derzeit von den geopolitischen Risiken und der Ausweitung der Zinsdifferenz – insbesondere gegenüber den Tiefzinswährungen. Mit der deutlichen Zinserhöhung um 0.5 Prozent im Mai hat sich die Zinsdifferenz noch weiter ausgeweitet. Bestärkt durch den starken US-Arbeitsmarkt und die kräftig wachsenden Ausgaben der privaten Haushalte will die US-Notenbank Fed die geldpolitischen Zügel weiter anziehen. Damit erwarten wir, dass die Zinsen in den USA weiterhin schneller ansteigen werden als in Europa oder auch der Schweiz. Per Saldo dürfte der US-Leitzins Ende Jahr auf 2.5 bis 2.75 Prozent ansteigen und damit im Bereich des neutralen Zinsniveaus zu liegen kommen.

Während also die Fed die Zinsen so stark anhebt wie seit über 20 Jahren nicht mehr, um gegen die hohe Inflation vorzugehen, hält die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Zins im Minus. Zwar hat die Inflation auch in der Schweiz den Zielwert der SNB überschritten – dies aber nur geringfügig, womit die Teuerung im internationalen Vergleich äusserst bescheiden ausfällt. Damit kann es sich die SNB eher leisten, zuerst die Leitzinserhöhungen anderer Zentralbanken abzuwarten. Die Finanzmärkte antizipieren diese unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Geldpolitik ebenfalls und entsprechend steigt auch die Nachfrage nach dem US-Dollar. Denn höhere Zinsen machen eine Währung für Anlegerinnen und Anleger attraktiver. Im Vergleich zum Schweizer Franken wertete die US-Valuta innerhalb von nur einem Monat um mehr als 8 Prozent auf. Vergangene Woche avancierte der Dollarindex gar auf den höchsten Stand seit 20 Jahren. Nach diesem starken Anstieg notiert der US-Dollar zum Schweizer Franken erstmals seit November 2019 wieder über Parität.

Unter dem Strich steht die Fed in den kommenden Quartalen vor der Herausforderung, eine harte Landung der Wirtschaft zu vermeiden und gleichzeitig die ausufernde Teuerung in den Griff zu bekommen. Dieses Spannungsfeld macht sich auch an den Aktienmärkten bemerkbar. Die Herausforderungen bleiben angesichts hoher Inflationsraten und wachsender Rezessionsrisiken hoch. Die bestehende Gefahr einer Rezession stellt die erwarteten Unternehmensgewinne infrage, was die Aktienmärkte belastet.

Unser Fazit: Die relative Schwäche des Schweizer Frankens gegenüber dem US-Dollar zeigt, dass aktuell die Geldpolitik das dominierende Thema ist. In der Regel profitiert der Schweizer Franken von Sorgen um das globale Wirtschaftswachstum, doch diese scheinen nur allmählich in den Fokus zu rücken. Wir sind der Meinung, dass die Dollar-Stärke noch anhalten wird. Mindestens solange sich im Ukrainekonflikt keine Deeskalation abzeichnet und die US-Wirtschaft auf dem Wachstumspfad bleibt, verharrt der «Greenback» auf erhöhtem Niveau. Längerfristig wird die Währung aufgrund der starken strukturellen Ungleichgewichte in Amerika aber erneut unter Druck geraten. Zudem ist der US-Dollar mittlerweile stattlich bewertet und handelt am oberen Ende der Kaufkraftparität.



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