GKB Postplatz

USA: Arbeitslose zögern, Löhne steigen

Datum: 09.11.2021 

Wie sieht es am amerikanischen Arbeitsmarkt aus? Wie geht die FED die steigende Inflation an und wie steht es um die politische Lage in den Vereinigten Staaten? Gemeinsam mit Jens Korte werfen wir in dieser Ausgabe einen Blick auf diese Fragen.

 

 

In den USA ist die Nachfrage nach Arbeitskräften grösser als das Angebot – das heisst, viele Unternehmen finden keine qualifizierten Arbeitskräfte. Warum kehren die Arbeitskräfte dem Arbeitsmarkt den Rücken?

Ein Grund dafür sind die enormen Hilfsgelder aus Washington. Zwischenzeitlich gab es Amerikaner und Amerikanerinnen, die mit den Hilfsgeldern mehr erhalten haben, als vorher im Job. Das zeigt allerdings auch, wie schlecht bezahlt viele Jobs in den Vereinigten Staaten sind. Zudem ging es an der Börse stetig bergauf, und einige Leute haben mit dieser Hausse sehr viel Geld verdient. Oft waren das Personen, die kurz vor der Rente stehen. Normalerweise wären diese nach der Krise in den Arbeitsmarkt zurückgekehrt, dank den Börsengewinnen können sich jetzt aber viele die Frührente leisten. Zudem zögern viele aus Angst vor dem Virus mit der Rückkehr zur Arbeit.

Hat dieses Zögern der Arbeitnehmer Auswirkungen auf die Inflation?

Durchaus, die Situation auf dem US-Arbeitsmarkt führt zu Lohndruck. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist grösser als das Angebot, also steigen die Löhne. Die grosse Frage ist nun, ob die Arbeitskräfte in Scharen wieder zurückkommen. Falls nicht, werden die Löhne wohl weiter steigen, mit entsprechendem Druck auf die Teuerung.

Wenn wir über Inflation sprechen, dann sprechen wir implizit auch über die Politik der US-Notenbank. Sie will die Wertpapierkäufe Schritt für Schritt zurücknehmen, die Zinsen aber vorerst nicht anfassen. Welche Risiken verbergen sich dahinter?

Solange die Zentralbanken weltweit das Finanzsystem mit Geld fluten, wird dieses in alle möglichen Anlageklassen fliessen: Rohstoffe, Aktien oder Krypto-Währungen. Das fördert Blasen und befeuert den inflationären Trend. Zinserhöhungen könnten einerseits etwas Druck aus dieser Tendenz nehmen, würden aber andererseits auch zum Problem für das Finanzsystem. Denn die Schulden sind sowohl in Europa als auch in den USA immens hoch – und höhere Zinsenwürden dazu führen, dass diese Schulden plötzlich sehr teuer sind.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Politik: Joe Biden hat nur mit Händeringen sein Infrastrukturprogramm durchgebracht. Gleichzeitig positioniert sich Trump für die nächsten Wahlen. Wie ist die Stimmung im Land?

Präsident Biden hat es bislang nicht geschafft, das Land zu einen. Und seine Umfragewerte sind im Keller. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Donald Trump nochmals Präsident wird. Aber ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass er überhaupt einmal US-Präsident werden würde. Der Graben in den USA verläuft wohl entlang der Sorgen: Namentlich, und hier sind wir wieder bei der Inflation, bei den enormen Preisanstiegen: Der Preis für eine Gallone Benzin ist innerhalb eines Jahres um einen Dollar gestiegen. Im Vergleich mit Schweizer Preisen ist dies immer noch günstig: Auf den Liter kostet Benzin rund 90 Rappen. Aber der Preisanstieg ist gewaltig und neben Benzin werden auch viele andere Alltagsprodukte merklich teurer. Vieles davon wird dem Präsidenten angerechnet, entsprechend tief sind Bidens Umfragewerte.

 

Mit Jens G. Korte sprach Dr. Martina Müller-Kamp Leiterin Marktleistungen und Mitglied der GKB  Geschäftsleitung.

 

 

Gemeinsam wachsen.