Pharmaunternehmen wie Roche und Novartis sind bisher von den Zöllen ausgenommen. Allerdings wächst der Druck auf Medikamentenpreise. Bis Ende September läuft ein Ultimatum.
Zölle bremsen global – Schweiz profitiert.
Sollten die hohen Zölle international tatsächlich in Kraft bleiben, droht ein weltwirtschaftlicher Nachfrageschock – mit Folgen für das Wachstum. Auf globaler Ebene wirken solche Handelshemmnisse tendenziell preistreibend und konjunkturdämpfend. Der Schweizer Aktienmarkt mit seinem defensiven Charakter – dominiert von Pharma, Konsum und Finanzwerten – dürfte sich in einem solchen Umfeld jedoch vergleichsweise gut behaupten. Grössere Risiken bestehen für zyklische Unternehmen wie Luxusgüterhersteller, die stark von der Konjunktur abhängen. Ein längerer Handelsstreit würde ihren Umsatz stärker belasten.
Schweizer Exportindustrie ist diversifiziert.
Die USA sind der wichtigste Handelspartner der Schweiz. Das Handelsvolumen beläuft sich ungefähr auf 20 Prozent des Gesamtwarenexportes. Aber: Die Absatzmärkte der Schweiz sind breit gestreut. Die aktuelle US-Zollpolitik könnte Exporteure dazu veranlassen, sich stärker auf die EU und andere Märkte zu konzentrieren. Zudem wächst die Bedeutung des Dienstleistungshandels, der bisher nicht von US-Zöllen betroffen ist. Dort erzielen die USA zum Teil deutliche Exportüberschüsse gegenüber der Schweiz.
Hoffnung auf eine Einigung.
Anlegende schöpfen Hoffnung aus der Reise von Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin nach Washington, die eine Entschärfung der Zollsituation erreichen wollen. Wie das Eidgenössische Finanzdepartement mitteilte, will der Bundesrat den USA ein attraktiveres Angebot machen, das sowohl Schweizer Interessen als auch US-Anliegen berücksichtigt. Ein zentrales Treffen zwischen Bundespräsidentin Keller-Sutter und US-Aussenminister Marco Rubio findet heute Mittwoch statt. Ein möglicher Deal dürfte jedoch keine starke Kurserholung – eine sogenannte Befreiungsrally – auslösen. Ein besseres Ergebnis ist bereits teilweise eingepreist. Sollte es aber doch zu einem Scheitern der Gespräche kommen, wären Kursverluste durchaus möglich – allerdings in begrenztem Ausmass.
GKB Einschätzung.
Trotz des aktuell moderaten Einflusses der US-Zölle würde der Zollnachteil langfristiger dennoch Spuren hinterlassen – etwa durch steigenden Margendruck. Schweizer Unternehmen sind jedoch an solche Belastungen gewöhnt, nicht zuletzt durch den starken Franken. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sie resilient reagieren. Zudem sind fiskalpolitische Stützungsmassnahmen – etwa für kleinere und mittlere Unternehmen – nicht ausgeschlossen. Allerdings könnten anhaltend hohe Zölle Investitionsentscheidungen negativ beeinflussen und Produktionsverlagerungen beschleunigen. Auch Wettbewerbsnachteile gegenüber Firmen aus Ländern mit besseren Handelsbedingungen würden sich auf Dauer stärker bemerkbar machen. Die Belastung dürfte sich daher mit der Zeit vom breiten Exportsektor zunehmend auch auf börsenkotierte Unternehmen ausweiten – insbesondere, wenn keine strukturellen Anpassungen erfolgen oder eine Einigung mit den USA ausbleibt.
Fazit.
Unserer Meinung nach gibt es im Zollkonflikt nur Verlierer. Mit 39 Prozent trifft es die Schweiz sehr hart. Die Auswirkungen dieses Zollhammers sind jetzt noch nicht abschätzbar. Es droht aber ein Wirtschaftsabschwung. Der US-Präsident ist im Grundsatz immer offen für Verhandlungen – die Schweiz muss jetzt einfach etwas anbieten, das Donald Trump auch als Gewinn verbuchen kann. An den Börsen braucht es jetzt gute Nerven. Diese werden sich aber wieder auszahlen.