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Steigen die US-Zinsen früher als erwartet?

Datum: 28.06.2021 
Autor: Daniel Lüchinger

Was für eine Woche an den Zinsmärkten! Die US-Notenbank kündigt an ihrer Juni Sitzung an, die Zinsen aufgrund der besser als erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung und der steigenden Inflationsrisiken eher früher als später erhöhen zu müssen. Ebenfalls stellt sie den Beginn der «Tapering-Diskussionen» in Aussicht – also die Reduktion der bislang üppigen Anleihenkäufe von rund USD 120 Mrd. pro Monat. Und was machen die langfristigen Zinsen? Richtig: sie sinken.

 

 

«Wenn die Zinsmärkte sprechen, sollte man gut hinhören.»

 

Wir alle haben das sogenannte «Taper Tantrum» aus dem Jahre 2013 noch in Erinnerung. Die damalige Ankündigung der Fed, die Anleihekäufe bald zu reduzieren führte zu deutlich steigenden Zinsen und Kursverlusten bei Obligationen und Aktien gleichermassen. Diesmal ist die Bewegung aber eine komplett andere. Die Zinsen sind nicht angestiegen, sondern sogar gesunken. Der Zinsmarkt schliesst sich mit dieser Reaktion der Meinung der US-Notenbank an. Es wird erwartet, dass die Inflation nach dem sprunghaften Anstieg in diesem Jahr wieder in Richtung der Zielquote sinken wird und spätere Zinserhöhungen moderat ausfallen. Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell bestätigte dieses Szenario vor dem US-Kongress, indem er die Inflationsrisiken erneut relativierte. Zum einen stützt er sich auf die Sondereffekte im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung weiter Teile der Wirtschaft; zum anderen ist zu erwarten, dass die konjunkturelle Dynamik in den nächsten Monaten zurückgehen wird, da die Nachholeffekte mit der Zeit nachlassen werden.

Auch die Aktienmärkte konnten sich von der schlechtesten Woche der letzten acht Monate wieder erholen. Kurzfristig werden die Finanzmärkte weiterhin stark auf Veränderungen der Geldpolitik reagieren und es kann immer wieder zu Überreaktionen kommen. Der Trend an den Aktienmärkten ist aber weiterhin intakt. So markierte der S&P 500 in der vergangenen Woche ein neues Rekordhoch. Neben dem Konjunkturoptimismus sorgten Aussagen von US-Präsident Joe Biden, der erklärt hatte, ein überparteiliches Komitee von Demokraten und Republikanern habe sich auf einen Infrastrukturplan geeinigt, für steigende Aktienmärkte. Die nächste Hürde ist nun, das milliardenschwere Investitionsprogramm vom amerikanischen Kongress genehmigen zu lassen. Zur Debatte stehen Ausgaben im Umfang von rund einer Billion US-Dollar, welche in den kommenden Jahren in die Erneuerung des Stromnetzes, des Transitverkehrs, von Strassen und Brücken sowie in weitere Infrastrukturprojekte fliessen sollen.

Zusammenfassend können wir sagen, dass sich die Geschichte zwar nicht wiederholt, dass sie sich jedoch reimt. Wir erwarten in den nächsten Monaten leicht steigende Zinsen. Die Zinsen steigen aber aufgrund der guten Konjunktur und die Finanzmärkte werden frühzeitig auf eine Veränderung der Geldpolitik vorbereitet. In diesem Umfeld kann sich die US-Notenbank von der aktuellen «Notfall-Geldpolitik» schrittweise lösen. Ein Taper Tantrum wie 2013 ist daher unwahrscheinlich. Aktien bleiben in diesem Umfeld unsere bevorzugte Anlageklasse.

 

 

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