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US-Wahlprogramme und Finanzmärkte

Datum: 24.08.2020 
Autor: Daniel Lüchinger

​In den USA wird mit düsteren Metaphern gekämpft. Während Donald Trump die USA vor «totaler Anarchie» retten will, verspricht Joe Biden das Land «von der Dunkelheit wieder ins Licht» zu führen. Vergangene Woche hat Joe Biden die Nominierung zum US-Präsidentschaftskandidaten für die Demokraten angenommen. Damit ist er nun offiziell der Herausforderer des amtierenden Präsidenten Donald Trump.

«Die Präsidentschaftswahlen sind ein Faktor unter vielen, welche die Finanzmärkte beeinflussen.»

Die beiden Kandidaten sind in der Tat sehr verschieden und die Wahlprogramme könnten unterschiedlicher nicht sein: Steht der eine beispielsweise für Steuersenkungen, fordert der andere höhere Unternehmenssteuern. Zwar werden Massnahmen wie höhere Unternehmenssteuern die Aktienmärkte in einer ersten Reaktion belasten, doch im Endeffekt werden sowohl Demokraten als auch Republikaner eine wirtschaftsfreundliche Politik verfolgen.

Üblicherweise haben politische Entscheidungen Auswirkungen auf die einzelnen Sektoren. Im Zentrum steht hier insbesondere der Gesundheitssektor. So wird im Allgemeinen erwartet, dass eine stärkere Regulierung der Unternehmen im Pharma- und Biotechnologiebereich bei einem Sieg der Demokraten zu erhöhtem Preisdruck führen sollte. Damit würden die Margen der Unternehmen entsprechend unter Druck geraten. Dagegen sollten erneuerbare Energien aufgrund stärkerer staatlicher Förderung in diesem Szenario zu den Gewinnern gehören. Derartige Überlegungen sind sicherlich interessant und wertvoll. Doch wir können weder den Wahlausgang noch damit zusammenhängend die Reaktion der Finanzmärkte vorhersagen. Die Wahl von Donald Trump im Jahr 2016 sollte hier als mahnendes Beispiel in Erinnerung bleiben.

Die Präsidentschaftswahlen sind somit nur ein Faktor unter vielen, welche die Finanzmärkte beeinflussen. Selbstverständlich wird die Entwicklung der Realwirtschaft eine grosse Rolle spielen, auch wenn sich die Aktienmärkte momentan eher losgelöst davon bewegen. Wenn man das Kurs-Gewinn-Verhältnis betrachtet, sind die Aktienmärkte aktuell nicht günstig bewertet – haben sich die tatsächlichen und erwarteten Unternehmensgewinne doch deutlich verringert. Neben der Realwirtschaft wirken jedoch auch Geld- und Fiskalpolitik auf die Finanzmärkte. Die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie und eines Impfstoffs gegen Covid-19, Spannungen  zwischen China und den USA sowie der anhaltende Verhandlungspatt zum US-Haushaltspaket werden in den kommenden Wochen ebenfalls im Blickpunkt der Anleger stehen.

Die Zusammensetzung eines Anlageportfolios sollte daher nicht durch die bevorstehenden US-Wahlen bestimmt sein. Vielmehr empfiehlt es sich, eine langfristige Anlagestrategie zu definieren und die Anlagen breit zu diversifizieren, um für verschiedene Szenarien und Ereignisse gut positioniert zu sein.

 

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