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«USA: Milliarden-Hilfspakete, Wachstum und Steuererhöhungen.»

Datum: 03.05.2021 


Die Anlage-Expertinnen und -Experten der Graubündner Kantonalbank informieren im GKB Anlage-Fokus wöchentlich über das aktuelle Finanzgeschehen. Gemeinsam mit Jens Korte werfen wir in dieser Ausgabe einen Blick auf die Wall Street.


Jens Korte, woher kommt das Wachstum in den USA? 
Nicht zuletzt von den Hilfspaketen der Regierung; es gab im März nochmals eines in der Höhe von etwa 1.9 Billionen Dollar und das hat dann vor allem den Konsum kräftig angetrieben. Aber auch das US-Impfprogramm hat seinen Anteil am hohen Wirtschaftswachstum. Und dieses ist tatsächlich eindrücklich: Wir hatten im ersten Quartal ein Plus von 6.4 Prozent. Gut möglich, dass wir in diesem Jahr in den USA das grösste Wirtschaftswachstum seit Mitte der achtziger Jahre haben werden – bis zu elf Prozent, so die Prognosen.


US-Präsident Biden hat zuletzt ein Billionen schweres Hilfsprogramm für Familien angekündigt. Braucht es das überhaupt, wenn die Wirtschaft so stark wächst wie seit Jahrzehnten nicht mehr? 
Die Wirtschaft ist, zumindest nach der Statistik, wieder da angekommen, wo wir vor der Pandemie waren. Wir haben jetzt auf Jahressicht ein Bruttoinlandprodukt von 19.1 Billionen Dollar. Vor der Pandemie standen die USA bei 19.3 Billionen Dollar. Die Zahlen sind gut, was nicht so gut ist, ist die Verteilung des Wachstums. Wir sehen grosse Ungleichheiten, zum Beispiel können Frauen, Familien und einige Minderheiten von diesem Wachstum nur am Rande profitieren. Deshalb hat Präsident Biden jetzt seinen «Family-Plan» vorgestellt, mit dem nochmals 1.8 Billionen Dollar ausgegeben werden sollen. Zudem will Biden die amerikanische Infrastruktur mit 2.3 Billionen Dollar auf Vordermann bringen.

Sein eigentlicher Plan ist aber, ein neues Zeitalter einzuläuten. Es soll vermehrt in den USA produziert werden, man will sich wappnen im Wettkampf mit China. Das ist nicht neu, das wollte auch schon sein Vorgänger Donald Trump. Allerdings will Biden, dass die Regierung diesen Prozess hauptsächlich vorantreibt. Trump hingegen hat stark auf den privaten Sektor und auf Protektionismus durch Strafzölle gebaut.


Das Ganze soll über Steuern finanziert werden. Was sagen die Akteure an der Wall Street?
Zurzeit sehen Anlegerinnen und Anleger diesen potenziellen Steuererhöhungen auf Kapitalertrags- und Unternehmenssteuern noch relativ entspannt entgegen. Auch eine höhere Einkommensteuer für Reiche mit einem Jahreseinkommen von 400‘000 US-Dollar und mehr steht im Raum. Und eines ist klar, das wird im Kongress ein Hauen und Stechen geben. Doch an der Wall Street geht man davon aus, dass die Steuererhöhung letztendlich nicht ganz so hoch ausfallen wird wie Präsident Biden das derzeit propagiert.

Aber natürlich, die USA hat im vergangenen Jahr knapp fünf Billionen Dollar in die Pandemie-Hilfe investiert. Damit aber nicht genug: mit dem jüngsten Hilfspaket waren es nochmals fast zwei Billionen, jetzt knapp zwei Billionen für das Familienpaket. Und dann, wie bereits erwähnt, will Biden noch die Infrastruktur mit zwei Billionen Dollar erneuern. Das wird die Schulden massiv in die Höhe treiben. Und es ist keinesfalls sicher, dass die höheren Steuern und das Wirtschaftswachstum diese gewaltigen Ausgaben tatsächlich wettmachen können.





Gemeinsam wachsen.