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«USA: Boomende Reisebranche und Ölpreisentwicklung.»

Datum: 07.06.2021 

Die Anlage-Expertinnen und -Experten der Graubündner Kantonalbank informieren im GKB Anlage-Fokus wöchentlich über das aktuelle Finanzgeschehen. Gemeinsam mit Jens Korte werfen wir in dieser Ausgabe einen Blick auf die Wall Street.

Jens Korte, die Sommer Reisezeit in den USA steht bevor. Wie entwickelt sich die US-Reisebranche?
Man rechnet hier mit einem gewaltigen Ansturm. Erste Vorboten gab es bereits Ende Mai, denn das ist mit dem «Memorial Day» immer der Auftakt zur Sommer-Reisezeit. Die Hotelkette Hilton beispielsweise verzeichnete am Memorial Day-Wochenende in den USA eine Auslastung von 93 Prozent.

Nun stehen die Sommerferien vor der Türe und landesweit sollen die Mietwagen praktisch ausgebucht sein – gleiches gilt für viele Hotels und auch auf den Campingplätzen in den Nationalparks sind nur noch wenige freie Plätze verfügbar. Weil die Amerikanerinnen und Amerikaner vor allem mit dem Auto reisen, hat das nicht zuletzt auch die Benzinpreise kräftig nach oben getrieben. Ein Liter kostet mittlerweile ungefähr 80 Rappen. In der Schweiz wäre das billig, hier in den USA ist es verhältnismässig viel.


Als Nebeneffekt steigen die Benzinpreise und auch der Ölpreis ist zuletzt deutlich angestiegen. Was schätzen Sie, bleibt der Preis auf diesem Niveau?
Im April vor einem Jahr sahen wir an den Terminbörsen teilweise negative Ölpreise, jetzt kostet ein Barrel wieder rund 70 Dollar; die Verwerfungen waren somit gewaltig. Das gleiche gilt für die Aktien der Öl-Firmen: Vor einem Jahr gehörten sie zu den grossen Verlierern – seit einigen Monaten zeigen die Kurse aber wieder steil nach oben. Dass der Ölpreis aktuell wieder auf so hohem Niveau ist, hat vor allem damit zu tun, dass die amerikanische und die chinesische Wirtschaft deutlich stärker gewachsen sind, als man das vor einigen Monaten noch zu hoffen gewagt hat. Dieses Wachstum kann durchaus noch eine Weile anhalten.


Wir hören in Europa von den Ölkonzernen viel über eine Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu nachhaltigeren Energieformen. Wie sieht das in den USA aus, und was bedeutet das für den Ölpreis?
Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energien werden in den Vereinigten Staaten auch immer mehr zum Thema. Kürzlich fand die Hauptversammlung von Exxon Mobil statt, bei welcher es der winzige Hedge Fund «Engine No. 1» tatsächlich geschafft hat, zwei Verwaltungsratssitze für sich zu gewinnen. Damit wird er nun Druck ausüben auf Exxon und so dem Thema erneuerbare Energien innerhalb des Konzerns wohl Schub verleihen können. Viele Vertreter der Öl-Industrie sind der Ansicht, dass die Ölpreise fallen, sobald die Produktion der Erneuerbaren Energien steigt. Aber das muss nicht sein: Denn sobald erneuerbare Energiequellen bei Öl-Multis wie Chevron oder Exxon in den Fokus rücken, dürften sie die Ölförderung drosseln. Dies wiederum würde das Angebot verknappen, und wenn gleichzeitig auch die Nachfrage nach Öl sinkt, dann dürften die Preise doch einigermassen stabil bleiben.

 

Gemeinsam wachsen.