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US-Dollar als Weltleitwährung in Gefahr?

Datum: 07.05.2021 
Autor: Daniel Alig


Die US-Notenbank und die Regierung in Washington haben geliefert! Mit einer beispiellos lockeren Geldpolitik und gigantischen Fiskalpaketen wurde die amerikanische Wirtschaft auf den Wachstumspfad zurückgeführt und damit vom Corona-Schock befreit. Direkte Folgen dieser Politik sind ein ausufernder Staatshaushalt, eine deutlich steigende Staatsverschuldung und die Angst, dass der US-Dollar seinen Status als Weltleitwährung verlieren könnte.


Handelsvolumen und globale Währungsreserven sprechen eine deutliche Sprache

Über eine Wachablösung des USD als Weltleitwährung wird in regelmässigen Abständen spekuliert. Tatsächlich ist seit einigen Jahren eine gewisse Verschiebung weg vom Dollar feststellbar – diese ist bis dato aber höchst überschaubar.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich analysiert alle drei Jahre wie sich die weltweiten Geldflüsse verändern. Im Jahr 2019 wurden 44 Prozent der täglichen Handelsvolumen in USD abgewickelt. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand EUR (16 Prozent), JPY (8 Prozent) und das britische Pfund mit 6 Prozent. Der chinesische Yuan kommt dabei nur auf einen Anteil von 2 Prozent. Auch die Zusammensetzung der internationalen Währungsreserven zementiert die dominante Stellung der US-Valuta.


Anteil in % der internationalen Reserven


Euro als Herausforderer?

Dem US-Dollar als Weltreservewährung kommen die Wirtschaftskraft der USA und der «Safe Haven» Status der Landeswährung zu Gute. Laut Experten dürfte der Euro diese Stellung nicht einnehmen können. Die jüngeren Krisen ausgehend von der Dotcom Blase im Jahr 2000, der WTC-Anschlag 2001, die Finanzkrise 2008/2009, die Eurokrise ab 2010 und schliesslich die Corona-Pandemie haben eindrücklich gezeigt, dass im Krisenfall Geld immer noch in den sicheren und liquiden Hafen USD fliesst und nicht in den Euro. An diesem Muster dürfte sich auch künftig nichts ändern. Die Heterogenität innerhalb der Eurozone und das schwächere wirtschaftliche Fundament stellen einen weiteren Hemmschuh für den Euro dar.


Aufstrebendes China

In den kommenden Jahren ist sehr wohl mit einer gewissen Verschiebung der Devisenreserven von West nach Ost zu rechnen – jedoch nicht nach Europa sondern in das Reich der Mitte. Der Grund für Chinas steigende Relevanz sind die rasant zunehmende Wirtschaftskraft, der technologische Fortschritt und die geopolitische Bedeutung Chinas.


Anteil in % vom globalen BIP


Doch auch hier: China dürfte zwar aufholen – dies aber nur sehr, sehr langsam. Grund dafür ist, dass der Yuan auch heute noch nur beschränkt konvertierbar ist. Viele Transaktionen können gar nicht, oder nur erschwert (z.B. mit der Bewilligung der Regierung) in der Landeswährung abgewickelt werden.



Fazit

Mangels echter Alternativen wird die Weltleit- und Reservewährung USD noch Jahrzehnte keine ernste Konkurrenz fürchten müssen.

Was die unmittelbare weitere Entwicklung von USD/CHF angeht, so wird der US-Dollar derzeit durch die eindrücklich positiven Wirtschaftsdaten gestützt. Letztendlich bleibt es aber eine wirtschaftliche Erholung auf Pump. Das grosse US-Zwillingsdefizit und die Inflationsdifferenz zur Schweiz werden ihren Tribut fordern, weshalb wir mittelfristig von einem schwächeren USD/CHF ausgehen.









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