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Unberechenbare Aktienmärkte?

Datum: 17.08.2020 
Autor: Daniel Lüchinger

​Nach einem historisch schwachen ersten Quartal, in welchem der Schweizer Aktienmarkt um knapp 30% korrigierte, folgte das beste Quartal für Aktien seit 1987. Derzeit notiert die hiesige Börse nur noch knapp unter dem Jahresultimo und die jüngste Entwicklung deutet darauf hin, dass der Höhenflug noch nicht gebremst wird. Derartig grosse Schwankungen sind bemerkenswert - aber nicht ungewöhnlich.

«Das Risiko sinkt mit zunehmender Länge des Anlagehorizonts.»


Getrieben wurden die Aktienmärkte primär durch externe Faktoren. Rutschen die Volkswirtschaften rund um den Globus als Folge der globalen Pandemie in eine tiefe, wenn auch kurze Rezession, stimmen die von der Politik und Notenbanken ergriffenen Stimulierungsmassnahmen sowohl Unternehmen wie auch Anleger zuversichtlich. Dabei scheinen die fiskal- und geldpolitischen Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft zu sein und weitere Konjunkturpakete dürften folgen. 

Sind die Aktienmärkte damit unberechenbarer geworden? Die im laufenden Jahr zu beobachtenden Bewegungen sind unüblich. Das lässt sich am besten an den Volatilitätsindizes ablesen,  welche die Schwankungsbreite der Aktienkursentwicklung anzeigen. Nachdem die Volatilität zum Ende des ersten Quartals auf Niveaus anstieg, die zuletzt während der globalen Finanzkrise in 2008 gesehen wurden, hat sich diese zuletzt wieder normalisiert. Derart extreme Unsicherheiten treten zwar nur selten auf. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass die Aktienmärkte schon immer von Schwankungen geprägt waren. Die durchschnittliche jährliche Rendite von Schweizer Aktien beträgt seit 1980 etwa 8%. Doch die Entwicklung verlief keineswegs linear. Im Jahresverlauf waren Verluste von 10% oder mehr eher die Regel als die Ausnahme. Nur in den seltensten Fällen fielen unterjährig nicht höhere Verluste an. In der kurzen Sicht sind die Aktienmärkte riskant und starke Schwankungen gehören dazu. Anleger sollten sich davon nicht abschrecken lassen. Eine nähere Betrachtung der Entwicklung zeigt, dass die Risiken mit zunehmender Länge des Anlagehorizonts sinken. Einfach ausgedrückt: Je länger die Investitionsdauer, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, einen Gewinn zu erzielen. So resultierte in der Vergangenheit bei einer Anlagedauer von mindestens 10 Jahren fast immer eine positive Aktienrendite, unabhängig vom Einstiegszeitpunkt.

Auch wenn in diesem Jahr vor allem die Geld- und Fiskalpolitik im Fokus steht, hängt die Entwicklung der Aktienmärkte vor allem von der erwarteten Gewinnentwicklung der Unternehmen ab. Und deren Ausblicke haben sich jüngst wieder aufgehellt, wobei die Gewinne bei anhaltender Konjunkturerholung im nächsten Jahr wieder deutlich ansteigen werden. Zwar nehmen die aktuellen Kursstände schon viel Positives vorweg, doch Aktien bleiben infolge des Negativzinsumfeldes alternativlos.

Die Finanzmärkte waren schon immer unberechenbar und werden es wohl auch in Zukunft sein. Für den Anlageerfolg ist es vor allem in schwierigen Phasen wichtig, die langfristige Perspektive zu bewahren. In der langen Sicht wird man für das eingegangene Anlagerisiko entschädigt.

 

 

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