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Ein turbulenter Börsenherbst steht bevor.

Unsicherheiten prägen US-Wahlkampf. Abnehmende Dynamik bei Konjunkturerholung.

Datum: 05.10.2020 

Im Interview mit Jens Korte wirft Martina Müller-Kamp, Mitglied der Geschäftsleitung der Graubündner Kantonalbank einen Blick auf die aktuelle Marktentwicklung.

Jens Korte, die Zeiten an den Finanzmärkten sind ohnehin turbulent. Mit der Covid-Erkrankung von Präsident Trump und der First Lady hat sich die Lage nochmals zugespitzt. Was bedeutet dies für das Wachstum in den USA?

Mit Sicherheit ist das eine dramatische Entwicklung. Möglicherweise wird das Vertrauen der US-Bevölkerung schwinden und die Sorge vor dem Virus wieder zunehmen. Dies würde insbesondere das Mobilitätsverhalten der Menschen verändern, was sich negativ auf die Binnenwirtschaft auswirken würde. Erste Reaktionen sah man am Freitag: Die Aktien der Flug- und der Kreuzfahrtgesellschaften gerieten zeitweilig stark unter Druck. Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf den Präsidentschaftswahlkampf haben wird, bleibt abzuwarten.

 

Erstaunlich, dass die Kurse zum Wochenende dennoch nur minimal gefallen sind. Wie erklären Sie sich das?

Es hat mich gewundert, dass die Wall Street nicht stärker reagiert hat. Entscheidend könnte gewesen sein, dass Nancy Pelosi, die demokratische Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, die Möglichkeit einer rascheren Einigung über das neue Hilfspakets für die Bevölkerung und letztendlich für die KMU ansprach. Gleichzeitig bat sie am Freitag die Fluggesellschaften, vorerst keine Mitarbeitenden nach Hause zu schicken. Im Wochenverlauf kommunizierten United Airlines und American Airlines nämlich, dass sie über 30‘000 Angestellte freistellen würden, sollte sich die Situation nicht verbessern.

 

Zum Monats Ende gab es wie immer jede Menge Wirtschaftsdaten. Wie sieht die Grosswetterlage hier derzeit aus?

Die US-Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten stetig verbessert. Wir sind natürlich bei weitem noch nicht da, wo wir im Februar standen, bevor das Virus ausbrach. So sind die Wachstumsraten auf dem Arbeitsmarkt und den Konsumausgaben nicht mehr ganz so stark. Letztlich wird viel davon abhängen, ob es gelingt, kurzfristig nochmals ein Billionen schweres Hilfspaket auf die Beine zu stellen und dafür die entsprechende Mehrheit zu bekommen. Ein Zustandekommen hätte positive Auswirkungen auf Wirtschaft und Konsum.

 

Nochmals zur Wahl und zu den Auswirkung auf die Finanzmärkte. Hat die Wall Street einen klaren Wunschkandidaten?

Auf den ersten Blick würde man denken, dass die Wall Street und die Wirtschaft leicht zu US-Präsident Donald Trump tendieren; nicht zuletzt wegen seinen Steuersenkungen und dem Umstand, dass er die Regulierung so stark zurückgefahren hat. Aber auch ein Präsident Joe Biden könnte für Wirtschaft und Börse positive Effekte haben. Einige Ökonomen weisen auf ein grosses Infrastrukturprogramm, man denke da an den Bereich Clean Energy. Dies könnte Arbeitsplätze und Dynamik schaffen. Zudem könnte auch ein moderaterer Ton im Handelsstreit positiv wirken. Unter einem neuen Präsidenten würden mit ziemlicher Sicherheit die Steuern steigen und die Regulierung etwas anziehen. Ich vermag aber nicht eindeutig zu sagen, ob ein Präsident Trump oder ein Präsident Biden eindeutig besser für die US-Wirtschaft oder auch für die Börse wären.

 

Aufgrund der vorhandenen Unsicherheitsfaktoren ist davon auszugehen, dass uns ein turbulenter Börsenherbst bevor steht. Es ist mit einem engen Ausgang der Wahl zu rechnen. Kurzfristig wird insbesondere ein knappes Wahlergebnis für Unsicherheit an den Kapitalmärkten auch über den Wahltermin vom 3. November 2020 hinaus sorgen.

Die Graubündner Kantonalbank ist in Aktien aktuell neutral positioniert. Wir empfehlen Anlegerinnen und Anlegern eine Investition in ein breit diversifiziertes Portfolio mit einer langfristige Anlagestrategie entsprechend dem individuellen Risikoprofil zur verfolgen.

 

 

Gemeinsam wachsen.