GKB Anlagewelt

Technologieriesen im Fokus.

Datum: 03.08.2020 

Im Interview mit Jens Korte wirft Martina Müller-Kamp, Mitglied der Geschäftsleitung der Graubündner Kantonalbank einen Blick auf die aktuelle Marktentwicklung.

 

Für die amerikanischen Technologieunternehmen ging es letzte Woche Schlag auf Schlag. Am Mittwoch gab es eine historische Anhörung vor dem US-Kongress. Die vier Chefs der Technologieriesen Apple, Amazon, Facebook und Google mussten Rede und Antwort stehen. Wie mächtig sind diese Unternehmen wirklich?

Bei Google macht es den Anschein, als ob das Wachstum im Online-Anzeigenmarkt langsam an seine Grenzen stösst, was mitunter ein Grund für den erstmaligen leichten Umsatzrückgang in der Unternehmensgeschichte ist. Unter dem Strich wurden die Erwartungen jedoch trotzdem erfüllt. Andere Unternehmen wie Apple und Amazon haben die Erwartungen der Wallstreet übertroffen und sind die grossen Profiteure der Krise. Facebook hat den Umsatz ebenfalls gesteigert, auch wenn es das geringste Umsatzwachstum seit dem Börsengang 2012 gewesen ist. Die Tech-Unternehmen scheinen in ihrer eigenen Welt zu leben, denn am selben Tag, an welchem das Wirtschaftswachstum des zweiten Quartals mit einem Einbruch von 33 Prozent publiziert wurde, wiesen die grossen vier Technologie-Konzerne überragende Ergebnisse vor.

 

Den Big Four wird vorgeworfen, ihre Marktposition unrechtmässig auszunutzen. Was halten Sie von diesem Vorwurf?

Es ist unabweisbar, dass die grossen Technologie-Konzerne in den Vereinigten Staaten fast schon monopolartige Stellungen haben. In den USA werden beispielsweise etwa 95 Prozent aller Suchanfragen über Google getätigt. Im Social Media Bereich nimmt Facebook, durch den Kauf von Instagram und WhatsApp, sicherlich die leitende Position ein. Amazon hat bei der Anhörung vor dem Kongressausschuss erwähnt, dass sie im Detailhandel gar nicht so eine grosse Rolle spielen würden. Im Onlinehandel nimmt Amazon hingegen 50 Prozent des Marktgeschehens ein. Insofern ist die Kritik nicht ganz ungerechtfertigt: Sie bilden Konglomerate, die eine Marktmacht haben. Es kann durchaus darüber debattiert werden, ob von regulatorischer Seite nicht etwas passieren sollte.

 

Was können die möglichen Konsequenzen für die Konzerne sein?

Es wird nicht einfach sein, die Dominanz dieser Technologie-Unternehmen zu brechen. Seit einiger Zeit wurden in Europa aber auch in den Vereinigten Staaten wiederholt Untersuchungen angestrebt, wo Strafzahlungen fällig wurden. Diese stellen jedoch keine grosse Gefahr für die Technologie-Unternehmen dar. Die grosse Frage ist, ob seitens Kongress etwas unternommen wird. Eine Anpassung des Kartellrechtes könnte theoretisch dazu führen, dass Facebook sich beispielsweise von Instagram trennen müsste. Übernahmen wie diejenige von YouTube zu Google oder Whole Foods zu Amazon könnten künftig erschwert werden. Vieles wird von der Regierung abhängen, wobei die Republikaner eher zögerlicher zu sein scheinen, die grossen Technologie-Konzerne zu zerschlagen, während bei den Demokraten die Bereitschaft dafür etwas höher zu sein scheint.

 

 

 

Gemeinsam wachsen.