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Sorgen um Inflation

Datum: 01.03.2021 

 

Die Anlage-Experten der Graubündner Kantonalbank informieren im GKB Anlage-Fokus wöchentlich über das aktuelle Finanzgeschehen. Gemeinsam mit Jens Korte werfen wir in dieser Ausgabe einen Blick auf die Wallstreet.

 

Das Tempo der Impfkampagne ist tatsächlich hoch. Laut US-Präsident Joe Biden sollen alle impfwilligen Amerikanerinnen und Amerikaner bis im Sommer beide Impfungen erhalten. Joe Biden profitiert dabei von Donald Trump. Dieser hat im letzten Jahr mit riesigen Geld-Summen grosse Mengen Impfdosen reserviert. Zudem sorgt die Notenbank weiterhin für genügend Liquidität. Beide Nachrichten kommen an der Wall Street gut an.

 

Also trotz steigender Sorgen um die Inflation keine Änderung der Geldpolitik?

Die geld- und fiskalpolitischen Signale deuten nicht daraufhin. Die Notenbank investiert weiterhin rund 120 Milliarden Dollar jeden Monat in den Kauf von Anleihen. Auch Zinserhöhungen sind, für den Moment jedenfalls, keine zu erwarten. Und es scheint so, als dass das neue Hilfspaket im Rahmen von 1900 Milliarden Dollar in den nächsten zwei Wochen auf den Weg gebracht wird.

 

Doch in den vergangenen Tagen ist die Sorge vor einer möglichen Inflation angestiegen. Was hört man dazu von Seiten der Investoren an der Wall Street?

Preissteigerungen auf breiter Front, das wäre mit Sicherheit eines der größten Risiken für die Wall Street. Im kleinen Rahmen gibt es diese schon: Der Ölpreis ist auf dem höchsten Stand seit gut einem Jahr; Kupfer war seit mehreren Jahren nicht mehr so teuer wie jetzt. Dann will Joe Biden den Mindestlohn erhöhen. Das wird zwar nicht von heute auf morgen passieren. Aber der Plan ist, den Mindestlohn im Schnitt von landesweit 7.25 Dollar auf 15 Dollar anzuheben. Das würde zu einer gewissen Lohn-Inflation führen und könnte die Notenbank dazu veranlassen, früher als gedacht Abstand zu nehmen von der ultra-lockeren Geldpolitik.

 

Oft Preisen die Märkte solche Entwicklungen schon früh ein. Geschieht dies bereits jetzt?

Zwei Entwicklungen deuten darauf hin. Die Technologie-Aktien sind unter Druck geraten. Zum einen, weil die Kurse hoch sind. Zum anderen aber auch, weil dieses Geschäft kapitalintensiv ist. Wenn die Notenbank ihre Politik ändert und Geld wieder teurer wird, dann sind Technologie-Unternehmen stark betroffen. Zum anderen sind 10-jährige Anleihen auf dem höchsten Stand seit über einem Jahr.

 

Das neue Hilfspaket, Sie haben es erwähnt, soll 1.9 Billionen Dollar schwer sein. Was halten Sie davon?

Wir wissen, was mit den letzten 900 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern passiert ist. Diese wurden in Form von Einmalzahlungen an die Bevölkerung ausgeschüttet. Und die Daten zeigen, dass dieses Geld gleich wieder ausgegeben wurde. Jetzt ist von einer Summe von 1400 Dollar pro Kopf die Rede. Auch dieser Betrag würde wohl im kurzfristigen Konsum verpuffen. Es wäre besser, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert und strukturelle Probleme behoben würden.

 

Mit Jens G. Korte sprach Dr. Martina Müller-Kamp* 

 

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