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Sell in May and go away – ein Mythos?

Datum: 10.05.2021 
Autor: Daniel Lüchinger

Sie sind bei Anlegern und Journalisten gleichermassen beliebt. Die Rede ist von Börsenweisheiten. Das ist auch wenig verwunderlich, denn viele dieser Anlagestrategien bestechen durch ihre Einfachheit. Eine der bekanntesten Börsenregeln lautet denn auch: «Sell in May and go away, but remember to come back in September». Es handelt sich dabei um den Ratschlag, dass man sich im Mai von Aktien trennen und erst im September wieder investieren solle.

«Stur nach einer Börsenweisheit zu handeln, zahlt sich nicht aus.»

 

Nach den zuletzt sehr starken Aufwärtsbewegungen an den Aktienmärkten, welche zu zahlreichen Allzeithöchstständen führten, ist die Frage in diesem Jahr noch spannender als sonst: Sollten wir im Mai besser Aktien verkaufen? Wäre es nicht sinnvoll, nun erst einmal Gewinne mitzunehmen?

Wir haben die Daten des US-Aktienmarktes über die letzten Jahre im Detail analysiert. Dabei fällt auf, dass die oben beschriebene Strategie in einigen Jahren – beispielsweise 2015 oder auch 2019 – gut funktioniert hat. In der Summe konnte aber keine Mehrrendite gegenüber einer Haltestrategie erzielt werden. Im Gegenteil: Alleine im letzten Jahr resultiert dadurch eine Underperformance von beinahe zwanzig Prozent.

Ist der Ratschlag «Sell in May» also eher ein Mythos als eine gute Anlagestrategie? Jede Weisheit enthält zumindest einen Kern Wahrheit. Es stimmt nämlich, dass die Monate zwischen Mai und September nicht die besten Börsenmonate im Jahr sind. So konnte der US-Aktienmarkt in diesem Zeitraum seit 1945 im Durchschnitt um gut zwei Prozent zulegen, in den übrigen Monaten des Anlagejahres aber um rund sechs Prozent. Es gibt Gründe dafür, weshalb die Börsenweisheit zutreffen könnte, Sicherheit bieten diese aber nicht. Was der Regel Auftrieb verleihen könnte ist die Tatsache, dass sich der Effekt steigert, wenn viele Anleger nach dieser Weisheit handeln. Man spricht dann von einer «selbsterfüllenden Prophezeiung».

Insgesamt bewegen wir uns aktuell in einem real- und finanzwirtschaftlichen Umfeld, welches weiterhin günstig für Aktien ist. Aufgrund der starken Kursentwicklungen und der hohen Bewertung ist das Aufwärtspotenzial jedoch begrenzt. Auch die Inflation wird ein heiss diskutiertes Thema an den Finanzmärkten bleiben und damit das Spekulieren darüber, wann die Notenbanken ihre ultra-expansive Geldpolitik zurückfahren werden. Bis die bedeutende US-Notenbank Fed dies tun wird, dürfte es aber noch dauern.

Es gilt daher: Stur nach einer Börsenweisheit zu handeln, zahlt sich nicht aus. Wichtig ist immer, eine langfristige Anlagestrategie zu verfolgen sowie die aktuelle Lage zu analysieren und zu beurteilen. Mit den sehr guten Konjunkturaussichten und der anhaltenden geldpolitischen Unterstützung durch die Notenbanken erwarten wir auch über die nächsten Monate eine positive Rendite an den Aktienmärkten.

 

 

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