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Krisenwährung CHF ist gefragt.

Datum: 30.08.2021 
Autor: Adrian Schneider

Warum ist der Schweizer Franken jetzt, wo die Wirtschaft brummt und die Aktienmärkte fast täglich neue Höchststände erreichen, wieder erstarkt? 

 

«Es gibt drei Gründe für die aktuell hohe Nachfrage.»

Einige von Ihnen werden es beim Geldwechsel für die Italienferien bemerkt haben: Der Euro kostet für uns Schweizer wieder weniger als noch im Frühling. Im März musste noch CHF 1.11 für einen Euro bezahlt werden – heute sind es rund 3 Prozent weniger. 

Der Schweizer Franken ist besonders dann gesucht, wenn die Unsicherheiten an den Finanzmärkten hoch und die wirtschaftlichen Aussichten düster sind. Nimmt die Unsicherheit ab, verlassen die Anlegerinnen und Anleger den sicheren Hafen Schweizer Franken und kaufen riskantere Währungen wie zum Beispiel den Euro. 


Für diese aktuell hohe Nachfrage nach Schweizer Franken gibt es insbesondere drei Gründe.

Erstens gefährden die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus sowie allfällige weitere Mutationen weltweit die wirtschaftliche Erholung. Das führt zu Unsicherheiten bei den Marktteilnehmern.

Zweitens hat die Europäische Zentralbank (EZB) verkündet, auch weiterhin eine Vielzahl an neuen Euros zu drucken. Wenn mehr Euros vorhanden sind, verliert der einzelne Euro an Wert und andere Währungen gewinnen entsprechend dazu.

Und drittens bleibt der Unterschied der Zinsen, welche Anleger im Euro erhalten im Vergleich zu den Zinsen, welche man in Schweizer Franken erhält, tief. Die Anlegerinnen und Anleger kaufen also auch keine Euros, um höhere Zinsen zu erhalten. Eine Abkehr von der expansiven Geldpolitik der EZB ist bis auf weiteres nicht zu erwarten.


Doch nicht nur das aktuelle Umfeld, auch die fundamentale Stärke der Schweizer Volkswirtschaft trägt zur Nachfrage nach Schweizer Franken bei. Sie überzeugt durch Innovationskraft und einen flexiblen Arbeitsmarkt. In Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit bewegt sich die Schweiz seit Jahren weltweit unter den Top-Nationen. Im Vergleich mit den Eurostaaten kann die Schweiz aber auch mit der tiefen Inflation, der hohen Produktivität und der tiefen Staatsverschuldung (weniger als 50 Prozent vom Bruttoinlandprodukt) punkten. Geopolitische Spannungen, Rückschläge im wirtschaftlichen Gesundungsprozess der Eurozone oder aufkommende Risikoaversion an den Finanzmärkten können deshalb jeweils rasch einen Nachfrageschub nach Schweizer Franken auslösen. 

Der Schweizer Franken dürfte gegenüber dem Euro jedoch nicht mehr viel weiter aufwerten. Der Grund dafür ist bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu finden. Diese nämlich beurteilt die Heimwährung nach wie vor als hoch bewertet und würde einem weiteren Anstieg entsprechend entgegenwirken. Zudem wird die Abschwächung der vierten Corona-Welle Anlegerinnen und Anleger dazu veranlassen, den sicheren Hafen Schweizer Franken zu verlassen und wieder riskantere Währungen zu kaufen.
 

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