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Risiken auf kurze Sicht erhöht.

Datum: 11.04.2022 

Es wird leider immer offensichtlicher: der Krieg in der Ukraine wird kein schnelles Ende finden. Die Auswirkungen für die Menschen vor Ort sind dramatisch. Und auch die wirtschaftlichen Kosten steigen täglich an.

«Gerade bei Aktien lohnt sich eine längerfristige Sichtweise.»


Es wird leider immer offensichtlicher: der Krieg in der Ukraine wird kein schnelles Ende finden. Die Auswirkungen für die Menschen vor Ort sind dramatisch. Und auch die wirtschaftlichen Kosten steigen täglich an. Am Montag wurde publiziert, dass die Ukraine nach Schätzungen der Regierung durch die Invasion russischer Truppen bis anhin Schäden in der Höhe von bis zu einer Billion US-Dollar erlitten hat. Und die Weltbank prognostiziert, dass sich die Wirtschaftsleistung der Ukraine in diesem Jahr fast halbieren wird. Prognosen für die Wirtschaft der Ukraine sind mit hoher Unsicherheit behaftet, denn niemand kann vorhersagen, wie der Krieg weitergehen und wie lange er dauern wird. 

Offensichtlich ist, dass wir uns auf eine Phase mit anhaltend höheren Preisen einstellen müssen. Doch was bedeutet diese Situation für die Finanzmärkte?

Die hohen Rohstoffpreise sorgen für eine spürbare Verlangsamung der Weltwirtschaft und weiter steigende Inflation. Die Inflation der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), welche 38 Industrieländer als Mitglieder zählt, stieg im Februar von 7.2 Prozent auf 7.7 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit Dezember 1990. Der anhaltende Kosten- und Preisdruck setzt auch Unternehmen zunehmend unter Druck. Aufgrund der stark gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe hat dieser weiter zugenommen. Die wirtschaftliche Abschwächung wird auch an den Unternehmensgewinnen nicht spurlos vorbeigehen.

An den Finanzmärkten sehen wir die Auswirkungen bereits an der Zinsentwicklung. So sind beispielsweise die Zinsen in der Schweiz seit Jahresbeginn um fast ein Prozent angestiegen. Ein Ende der Zinsanstiege ist noch nicht in Sicht. 

Die Aktienmärkte haben sich in den vergangenen Wochen erstaunlich gut gehalten. Doch die Zinssorgen, die Inflationsentwicklung sowie Spekulationen über ein bevorstehendes Energie-Embargo wirken klar negativ auf das Marktsentiment. Mit nachhaltig höheren Aktienkursen rechnen wir in diesem Umfeld in den nächsten Wochen nicht – auch weil der Anstieg im März kräftig ausgefallen ist. Dieser Anstieg passt vor dem Hintergrund der gestiegenen Risiken nicht ins Bild. 

Allerdings lohnt sich gerade bei Aktien eine längerfristige Sichtweise: Unsere fast 100 Jahre umfassende Analyse der Aktienmärkte zeigt, dass Aktien auch in Krisenzeiten nicht abgeschrieben werden sollten. So haben Anleger im Schweizer Aktienmarkt bei einer Haltefrist von 10 Jahren nur gerade in 3 von 87 Fällen einen leichten Verlust erlitten. 

Die Finanzmärkte werden weiterhin von Unsicherheiten geprägt sein. In dieser Phase lohnt es sich zwar, im Rahmen der festgelegten Anlagestrategie die Risiken zu reduzieren, ein totaler Verkauf aller Anlagen ist hingegen nicht zielführend. Die Geschichte lehrt uns nämlich vor allem eines: Antizyklische Politik-Strategien – also der Verkauf von Aktien in einer (geo-)politischen Krise – sind selten erfolgreich, kosten aber immer Geld.




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